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Nach Vorfall in der Pfalz : Wie sicher sind die Windräder in SH?

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In der Pfalz reißt von einer der größten deutschen Windkraftanlagen ein Flügel bei laufendem Betrieb ab. Kritiker befürchten in Schleswig-Holstein ähnliche Unfälle. Auch der Kieler Energieminister Robert Habeck meldet sich zu Wort.

Kiel/Bad Kreuznach | Der Absturz eines Rotorflügels von einer Windkraftanlage in Rheinland-Pfalz hat in Schleswig-Holstein eine neue Debatte über die Sicherheit von Windrädern ausgelöst. Letzte Woche hatte sich im Windpark Schneebergerhof bei Bad Kreuznach ohne erkennbaren Grund ein 60 Tonnen schwerer Flügel von einer der größten deutschen Anlagen gelöst und war zu Boden gekracht. Zwar wurde niemand verletzt. Doch für Windkraftkritiker wie die Initiative „Gegenwind Schleswig-Holstein“ zeigt der Unfall drastisch, dass die Risiken dieser Art der Energie-Erzeugung wachsen.

Ähnliche Unfälle würden wegen der größer werdenden Rotoren „künftig häufiger vorkommen“, fürchtet Gegenwind-Sprecher Frank Jurkat. Denn mit der Größe der Flügel drohten auch die Unterschiede beim Winddruck zuzunehmen, denen die Rotorblätter oft ausgesetzt sind. Wenn der Gesetzgeber daher nicht „endlich vernünftige Abstände“ der Windräder zu Häusern und Straßen beschließe, „dann werden auch Menschen zu Schaden kommen“, warnt Jurkat und nennt die Distanz zu Verkehrswegen „einen Witz“: Laut Erlass des Landes soll sie der Höhe des Turms plus Rotordurchmesser entsprechen. „Tatsächlich liegt sie aber oft unter 50 Metern“, schimpft Jurkat.

Eine Vergrößerung der Abstände sei umso wichtiger, weil es immer wieder zu Bränden in den Anlagen komme und dann Trümmer herabstürzten. Im Winter seien auch schon Eisblöcke von den Rotoren heruntergeschleudert worden, warnt Jurkat. Zwar sollen Blitzschutzanlagen, automatische Löschsysteme und beheizbare Rotoren die Brand- und Eiswurf-Gefahr verringern. Doch ganz ausschalten ließen sich vor allem Feuer nicht, räumt der Bundesverband Windenergie (BWE) ein. Denn in den Generatorräumen der Anlagen gebe es brennbare Schmierstoffe und Ummantelungen. Allerdings seien Brände „absolute Ausnahmefälle“, sagt BWE-Sprecherin Ina Kietzmann.

Auch die Gefahr, dass ein Rotorblatt oder sogar wie vor sieben Jahren in Besdorf im Kreis Steinburg eine ganze Anlage umstürzt, hält die Branche für äußerst klein. „Die Häufigkeit größerer Schäden an Windkraftanlagen liegt im Promillebereich“, rechnet Hermann Albers, Chef des BWE-Landesverbands Schleswig-Holstein, vor. Denn die Anlagen würden sich bei Defekten normalerweise selbstständig abschalten.

Auch der Kieler Energieminister Robert Habeck sieht noch keinen Grund zur Sorge: „Erstmal muss die Ursache des Vorfalls in Rheinland-Pfalz geklärt werden“, sagt der Grünen-Politiker. Zudem gibt es unter den 3000 Anlagen im Land keine, die so groß ist, wie die in Rheinland-Pfalz havarierte „Enercon E-126“, die 198 Meter hoch ist. Allerdings stehen in Hamburg zwei Windräder genau dieses Typs direkt an der A7. Es bestehe dort aber keine Gefahr, beruhigt Hersteller Enercon. Das Auricher Unternehmen hat in den letzten Tagen sicherheitshalber alle Windräder vom Typ E-126 in Deutschland auf mögliche Fehler kontrollieren lassen. „Dabei wurden keine Auffälligkeiten festgestellt", sagt Firmensprecherin Anne-Kathrin Gilberg.

 
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erstellt am 08.Jan.2014 | 06:50 Uhr

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