zur Navigation springen

Merkel-Besuch : Wie SH von Wirtschaftsbeziehungen mit Indien profitiert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Angela Merkel ist zu Besuch in Indien. 37 Prozent der Firmen aus Schleswig-Holstein sehen gute Perspektiven auf dem Subkontinent.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 11:40 Uhr

Neu Dehli | Mit ihrem Besuch in Indien will Bundeskanzlerin Angela Merkel den Wirtschaftsbeziehungen beider Länder auf die Sprünge helfen. Auch Schleswig-Holstein könnte davon profitieren. Zumal manch ein Betrieb aus dem Norden – wie etwa die Löwe-Scheren aus Kiel – schon seit fast einem Jahrhundert einen guten Ruf in Indien hat.

1923 hat die Firma ihre Amboss-Scheren patentieren lassen. Die Weltkriege hatten dann aber den internationalen Handel der Kieler erschwert. Daher wurden Lizenzen an ausländische Partner wie die britische „Rollcut“ vergeben. Diese hat die Scheren unter anderem in die Kronkolonie Indien verschifft – und dort bekannt gemacht. Die britische Firma ist heute Geschichte, doch die Amboss-Scheren blieben in Indien ein Begriff. 2007 hat Löwe wieder erste eigene Schritte zur Wiederentdeckung des Marktes unternommen. Auch andere Firmen aus Schleswig-Holstein haben zuletzt verstärkt Interesse an dem gewaltigen Markt gezeigt.

„Das Land ist schon spannend“, sagt auch Werner Koopmann, Bereichsleiter International bei der Industrie- und Handelskammer Lübeck (IHK). Allerdings seien die Hoffnungen, die viele in Regierungschef Narendra Modi gesetzt hätten, enttäuscht worden. „Da ist nicht viel passiert.“ Den Besuch der Kanzlerin hält Koopmann allerdings – gerade auch zu diesem Zeitpunkt – für richtig. „Indien deckelt nicht mehr“, sagt er. Fehler würden inzwischen klar benannt.

Merkels Besuch, bei dem sie von einer 20-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet wird, soll helfen, Firmen aus Deutschland künftig einen besseren Marktzugang bieten. So wurde vereinbart, für deutsche Unternehmen ein „Fast Track“-Verfahren einzuführen. Deutsche Betriebe sollen so nur noch einen einzigen Ansprechpartner haben, wenn sie in Indien investieren und mit indischen Partnern Handel betreiben wollen. Die Mühsal der dortigen Bürokratie, die viele Firmen beim Gang in das Land beklagen, soll so umgangen werden. Dies sei gerade für mittelständische Firmen sehr wichtig, sagte Merkel. Diese könnten nach Einschätzung des IHK-Experten Koopmann unter anderem im Bereich Maschinenbau oder Umwelttechnik auf dem Subkontinent profitieren.

Das Interesse der Firmen von Nord- und Ostsee jedenfalls scheint groß. Allein die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WTSH) hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 360 Firmen zum indischen Markt beraten. Die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes ist mit einem eigenen Business-Center vor Ort. Einer Umfrage von ihr zufolge sehen 37 Prozent der Firmen aus dem Norden gute Zukunftsperspektiven in Indien. „Es sind jedoch gerade erst vier Prozent dort schon aktiv“, so eine Sprecherin.

Entsprechend gemischt fällt die Handelsbilanz des nördlichsten Bundeslandes mit Indien derzeit aus. Zuletzt hat Schleswig-Holstein nur noch Waren im Wert von 180 Millionen Euro nach Indien exportiert – zum Vergleich: Noch 2011 und 2012 waren es jeweils mehr als 250 und 260 Millionen Euro. Vor allem Pumpen und Medizintechnik aus Norddeutschland waren dabei gefragt. Aus Indien importiert hat Schleswig-Holstein zuletzt Güter im Wert von rund 170 Millionen Euro – vor allem Textilien.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen