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Insolvenz in Itzehoe : Wie Prokon ein gutes Ende nehmen könnte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt noch eine Chance für die Mitarbeiter des insolventen Itzehoer Unternehmens. Doch die würde den Anlegern schaden. Ein Kommentar von Joachim Dreykluft.

Itzehoe | Normalerweise geht es in einem vorläufigen Insolvenzverfahren darum, Bargeld zusammenzukratzen und das Geschäftsmodell zu überprüfen. Bei Prokon wird das anders. Hier dürfte der Kampf um das Überleben das Unternehmens vor allem mit juristischen Finessen geführt werden.

Die Frage, die laut Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin gleich mehrere Rechtsprofessoren für ihn klären sollen: Muss ein Unternehmen pleite gehen, wenn Genussscheininhaber ihr Geld zurückfordern, wie es ihnen garantiert wurde?

Oder darf das Unternehmen seinen Geldgebern die lange Nase zeigen, wenn es das Geld nicht zahlen kann?
Der Schlüsselbegriff lautet nachrangig. Genussscheininhaber stehen im Pleitefall in der Reihe der Gläubiger ganz weit hinten und bekommen allenfalls, was am Schluss noch übrig bleibt. Darf ein solch inferioses Wesen Anlass einer Insolvenz sein?

Wenn die Professoren und auch ein Richter irgendwann im Frühjahr zu dem Schluss kommen sollten, dass diese Forderungen keine Insolvenz nach sich ziehen, wäre das zunächst eine gute Nachricht für die Mitarbeiter. Die Firma würde wohl der Zerschlagung entgehen, die Chance auf Erhalt vieler Arbeitsplätze auch in der Itzehoer Zentrale wäre groß.

Für die Anleger hieße das aber wohl, dass Prokon dauerhaft die Zahlungen an die Genussscheininhaber aussetzen darf, wenn das Geld nicht da ist. Da Prokon in den ersten elf Monaten 2013 nach eigenen Angaben 86 Millionen Euro Zinsen zahlte bei nur 60 Millionen Umsatz, werden diese Zahlungen wohl erst wieder in ferner Zukunft möglich sein.

Für die Genussscheininhaber von Prokon wäre das schlimm. Für das gesamte Anlagefeld Genussscheine und Grauer Kapitalmarkt wäre das aber eine großartige Nachricht. Denn sie würde auch dem allerletzten Naivling hoffentlich ins Gehirn bimsen, dass solche Anlagen im Portfolio von Privatanlegern nichts zu suchen haben, es sei denn, sie sind auf Totalverlust erpicht.

Dann wäre am Ende doch noch alles gut. Prokons Arbeitsplätze gerettet. Und der Genussschein endgültig diskreditiert.

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erstellt am 24.01.2014 | 06:45 Uhr

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