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Tourismus im Norden : Wetter in SH: Nichts für Spontan-Urlauber

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Touristiker und Meteorologen schauen gespannt auf den Siebenschläfer. Noch stimmt die Buchungslage.

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erstellt am 23.Jun.2015 | 20:45 Uhr

Für Touristen und Sonnenanbeter in Schleswig-Holstein hat er schlechte Nachrichten: „Die bisherige Wetterlage spricht dafür, dass es dieses Jahr keinen Touristen-Traumsommer gibt“, sagt Diplom-Meteorologe Heino Strunck von der Kieler Wetterwelt.

Die Stimmung im Tourismus ist nach der Hitze-Welle im vergangenen Jahr entsprechend verhalten optimistisch. Erinnerungen an die verregneten Sommer 2012 und 2011 werden wach. „Wenn es Non-Stop regnet, hat das Auswirkungen auf die Buchungszahlen“, sagt Marc Euler, Sprecher der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH). Er möchte den Faktor Wetter für den Tourismus allerdings nicht überbewerten. Wichtig sei viel mehr die Qualität von Unterkünften und ein entsprechendes Alternativ-Angebot. „Hotels wie Gastronomie haben hier die Qualität in den vergangenen Jahren unheimlich hoch geschraubt“, so Euler.

Dennoch: Ein kalter Mai und ein wechselhafter Juni reißen ein Loch in die Buchungszahlen von Tagesgästen. Das bestätigen Touristiker in ganz Schleswig-Holstein. „Spontan-Ausflügler verschieben ihren Urlaub, wenn schlechtes Wetter vorausgesagt wird“, sagt Frank Timpe, Leiter von Amrum Touristik. Zwar seien die Buchungszahlen auf der Nordsee-Insel trotz Juni-Loch aktuell auf Vorjahresniveau, schwierig hätten es dafür Strandkorbvermieter und Anbieter für Outdoor-Freizeit. „Hier konnten bisher kaum Geschäfte entwickelt werden“, so Timpe.

Mit 65 Prozent Belegungsquote verzeichnet der Tourismus Marketing Service Büsum ein leichtes Plus zum Vorjahreszeitraum. „Die kurzfristigen Buchungen haben uns gefehlt, aber wir sind gut ins Jahr gestartet“, bestätigt Geschäftsführer Olaf Raffel. Zumindest langfristig geplanten Reisen scheint der schwächelnde Sommer nicht im Wege zu stehen. Peter Douven, Geschäftsführer der Insel Sylt Tourismus-Service GmbH, hat dafür eine einfach Erklärung: „An der Nordsee werden keine Badewannen-Temperaturen erwartet.“ Statt Sommerhitze sei Sommerfrische gefragt.

Ein ähnliches Bild an der Ostsee: Auch hier werde über Parkplätze in Strandnähe und Tageskurabgaben durch niedrige Temperaturen bislang wenig Geld eingenommen. „Trotzdem haben viele Gäste gebucht und freuen sich auf ihren Urlaub“, sagt Katja Lauritzen, Geschäftsführerin von Ostsee-Holstein-Tourismus. Die Region verzeichne viele Stammgäste, die ohnehin keine brüllende Hitze erwarten.

„Das erste Halbjahr ist bislang sehr gut gelaufen“, sagt Doris Schütz vom Lübeck und Travemünde Marketing. Selbst der durchwachsene Juni locke viele Gäste in die Hansestadt. Wie die ganze Branche im Norden schaut auch sie hoffnungsvoll auf den Ferienanfang in Nordrhein-Westfalen an diesem Wochenende. Traditionell seien die Nordrhein-Westfalen an Nord- und Ostsee gut vertreten.

Wenn sie denn das Verkehrschaos nicht abschreckt: Gerade der A 7-Ausbau kostet Nerven und nach TASH-Informationen reisen 77 Prozent der Gäste mit dem Auto an. Touristiker setzen deshalb auf Tranzparenz und werben um Verständnis, sagt TASH-Sprecher Marc Euler: „Dass jemand den Urlaub wegen Baustellen abgesagt hat, habe ich aber noch nicht gehört.“

Prognose: Mit Spitzen von 20 bis 23 Grad Anfang kommender Woche werde es stellenweise etwas milder, sagt Wetterwelt-Meteorologe Heino Strunck: „Aber das sind Eintagsfliegen. Danach ziehen die Hochs sofort wieder ab.“ Endgültige Prognosen seien noch nicht möglich, es deute aber alles darauf hin, dass das Wetter sich diesen Sommer nicht mehr grundlegend ändert. Meteorologen schauen nun gespannt auf den Siebenschläfer am Samstag. „An der Bauernregel ist etwas dran“, so Strunck. Ihr zufolge ist das Wetter am 27. Juni bestimmend für Juli und August. Wenn dann Hochdruckgebiete über Schleswig-Holstein dominieren könnte es also doch noch einen Traumsommer geben. Aber der Wetterexperte macht wenig Hoffnung: „Danach sieht es derzeit nicht aus.“
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