Für Busse und Bahnen : Westküste in SH: Gratis-Fahrkarten für Touristen

Nicht nur als Ticket für den Strand – die Kurkarte soll nach dem Willen der Touristik-Manager an der Westküste auch in Bussen und Bahnen gelten.
Nicht nur als Ticket für den Strand – die Kurkarte soll nach dem Willen der Touristik-Manager an der Westküste auch in Bussen und Bahnen gelten.

Die Kurkarte soll als Ticket für den öffentlichen Nahverkehr dienen. Das Projekt könnte in ganz SH Schule machen.

shz.de von
05. Mai 2015, 20:07 Uhr

Kiel/Husum | Es soll ein weiterer Köder werden, um noch mehr Touristen anzulocken: Wenn alles klappt, können Urlauber an der Westküste ab dem kommenden Jahr gratis Busse und Bahnen benutzen. Der landesweite Verkehrsverbund nah.sh, die Abrechnungsstelle der Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein, die Nordseetourismus-Service-Gesellschaft (NTS) und das Tourismusreferat im Wirtschaftsministerium haben sich darauf verständigt, die Möglichkeiten für ein derartiges Pilotprojekt auszuloten. Das bestätigte nah.sh-Sprecher Dennis Fiedel gegenüber unserer Zeitung. Fernziel sei, das Angebot auf ganz Schleswig-Holstein auszudehnen.

NTS-Geschäftsführer Frank Ketter hat bereits in Einzelgesprächen mit Kommunen die voraussichtliche Modellregion abgesteckt: St. Peter-Ording und Eiderstedt, Tönning, Friedrichstadt, Husum, Nordstrand sowie der komplette Kreis Dithmarschen haben ihm gegenüber ihr Interesse signalisiert mitzumachen.

Als Vorbild dient die „Konus-Karte“ vom anderen Ende der Republik. Das Kürzel steht für „Kostenlose Nutzung des ÖPNV für Schwarzwaldurlauber“. Die Urlaubsregion sorgt damit in touristischen Fachkreisen seit Jahren für Aufmerksamkeit, weil sie sich damit bisher ein Alleinstellungsmerkmal für das Marketing sichern konnte: Mehr als 10.000 Gastgeber drücken ihren Gästen bei der Ankunft kostenlos ein Freifahrtticket für Busse und Bahnen im gesamten Mittelgebirge in die Hand. So muss sich keiner um Fahrgeld und Tickets kümmern. Das Fahrgeld für die Touristen führt die Urlaubsgemeinde pauschal an den „Konus“-Verbund ab. Derzeit sind es 36 Cent pro Übernachtung.

Im Norden schwebt den Projektplanern vor, dass die Verkehrsunternehmen einen ähnlichen Betrag von den Urlaubsorten aus der Kurtaxe erstattet bekommen. Dann, so erläutert nah.sh-Sprecher Fiedel, könnte die Kurkarte zugleich als Fahrausweis in Bussen und Bahnen dienen – einfach nur vorzuzeigen bei Fahrer oder Kontrolleur.

Aus Sicht von NTS-Geschäftsführer Ketter ließen sich damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Die Akzeptanz der Kurtaxe würde damit ebenso gestärkt wie die Akzeptanz des ÖPNV bei den Touristen.“ Letztere sei schwach ausgeprägt – „einfach weil es vielen zu kompliziert erscheint, sich mit den Tarifen auseinanderzusetzen“. Und die Kurtaxe ist ohnehin in der Dauer-Diskussion. Mit einem zusätzlichen Gegenwert könnten die Touristiker in dieser Debatte einen Pluspunkt verbuchen.

Für die Verkehrsunternehmen schließlich, so Fiedel, seien mehr Urlauber als Fahrgäste auch deshalb interessant, „weil sie größtenteils außerhalb der Hauptverkehrszeiten fahren“. Also dann, wenn ohnehin genügend Plätze frei sind.

Die Befürworter des Projekts erhoffen sich überdies, dass sich durch die kostenlose Mobilität per ÖPNV vor Ort auch der Anteil derjenigen steigern lässt, die aus ihrer Heimatregion per Bahn zum Ferienort reisen. Das tun derzeit nur knapp elf Prozent der Schleswig-Holstein-Urlauber.

Und warum gerade die Westküste als Pilotregion? Nicht allein die vergleichsweise gute Anbindung per Zug spreche dafür, sagt Ketter mit Blick auf Nebenbahnen nach Büsum, St. Peter-Ording und Dagebüll zusätzlich zur Hauptstrecke bis Sylt. Auch die Werbung mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer biete einen logischen Anknüpfungspunkt, sich während des Urlaubs umweltfreundlich fortzubewegen.

Eine Machbarkeitsstudie soll nun vor einem endgültigen Beschluss des Pilotprojekts die noch offenen Fragen klären.

Als im Schwarzwald die „Konus“-Karte vor zehn Jahren eingeführt wurde, nutzten gerade mal zehn Prozent der Urlauber den ÖPNV – inzwischen sind es nach Angaben der Schwarzwald Tourismus GmbH 47 Prozent.

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