zur Navigation springen

Mülltrennung : Wertstofftonne soll gelben Sack ablösen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Feldversuch bei Segeberg: Mehrere Kommunen wollen die Plastik-Entsorgung selbst übernehmen und stellen Tonnen auf.

shz.de von
erstellt am 13.08.2014 | 06:15 Uhr

Segeberg | Der Norden experimentiert an einer Alternative zum „Gelben Sack“: Zum 1. Oktober startet in vier Gemeinden des Kreises Segeberg ein Modellprojekt für eine Wertstofftonne. Sie erfasst anders als der gelbe Sack oder die gelbe Tonne jeglichen Plastikmüll – egal ob es sich um Verpackungsabfälle handelt oder andere Gegenstände aus Kunststoff wie etwa Kleiderbügel oder Bürsten. Zugleich sollen die Haushalte in dem Behältnis auch bisher nicht getrennt erfasste Abfälle aus Metall sammeln. Bei Einwohnerversammlungen hätten bis zu 60 Prozent der Bürger aus Mözen, Schmalfeld, Kisdorf und Wiemersdorf Interesse an einer freiwilligen Teilnahme bekundet, sagt Jens Kretschmer, Vorsteher des für Abfallwirtschaft zuständigen Wege-Zweckverbandes.

Kretschmer ist zugleich Vorsitzender des Küstenverbands der kommunalen Entsorgungsunternehmen. Denen sind Erfahrungen mit der Wertstofftonne wichtig, weil die Kommunen das Sammeln und Verwerten von Plastikmüll von den finanziell strauchelnden privaten „Dualen Systemen“ übernehmen wollen. Den Dualen Systemen fehlen derzeit mindestens 20 Millionen Euro. Laut Verband der Deutschen Entsorgungswirtschaft ist nur noch ein Drittel der 2,3 Millionen Tonnen Müll, die jährlich bundesweit in gelben Säcken gesammelt werden, vom Finanzierungssystem gedeckt.

Im Kieler Umweltministerium beobachtet man: Handel und Industrie nutzten offenbar zum Teil Klauseln für Eigenrücknahmen und Branchenlösungen zur Verpackungsverwertung, um eine Kostenbeteiligung an den Dualen Systemen zu umgehen. Zugleich hapert es bei der Wiederverwertung. „60 Prozent der Inhalte in den Gelben Säcken landen in der Müllverbrennung, weil das am billigsten ist“, kritisiert der Segeberger Jens Kretschmer. Bei einer Kommunalisierung der Sammlung von Verpackungen würden ökologische Standards höher gewichtet. Der Sorge vor steigenden Kosten entgegnet er: „Oft wird vergessen, dass Verbraucher die Kosten für die Dualen Systeme über die Ladenpreise mitbezahlen.“

Als weiteres Argument für eine Wertstofftonne sieht Kretschmer mehr Übersicht für den Verbraucher: „Wir merken heute, dass die Kunden nicht verstehen, welcher Abfall wo hin soll.“ Nach Studien landen 40 Prozent der Verpackungen im Restmüll, obwohl sie in den Gelben Sack gehören.

Der Modellversuch bei Segeberg reagiert auch auf Pläne der Bundesregierung: Bis Jahresende soll der Entwurf für ein Wertstoffgesetz vorliegen, wonach Wertstofftonnen frühestens 2016 eingeführt werden sollen. In wessen Regie, wird geprüft. Im Kieler Umweltministerium wird das Gesetz „dringend erwartet“, um das Recycling zu verbessern, so Sprecherin Nicola Kabel. Mit Blick aufs Segeberger Projekt betont sie, das Land begrüße jede Initiative, die das Wertstoffsammeln steigere.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen