Sexspielzeug aus Neustadt : "Wer eine Silikonpuppe braucht, will Nähe"

Sind nicht nur Sex-Spielzeug, sondern auch Puppen, die am Esstisch Gesellschaft leisten - weiß Firmenchef Michael Wendt.
Sind nicht nur Sex-Spielzeug, sondern auch Puppen, die am Esstisch Gesellschaft leisten - weiß Firmenchef Michael Wendt.

"Emilie", "Laura" und "Valerie" sind mehr als Sexspielzeug. Michael Wendt schickt sie von seinem Unternehmen in Neustadt aus in die Welt.

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28. November 2012, 12:47 Uhr

Neustadt | Dollpark - der Unternehmensname sagt, worum es bei Michael Wendt geht: Puppen, Torsi, Sexspielzeug. Wendt betreibt einen besonderen Erotik-Versand. Er ist Spezialist für Silikonpuppen, die er und seine Mitarbeiter zum Teil auch herstellen. Gefragt sind Wendts Produkte weltweit. Vom Neustädter Gewerbegebiet aus gehen sie in die Welt - zu Männern, bei denen man diese Vorlieben selten vermutet, sagt der Geschäftsführer.
Der Schauraum präsentiert pralle Weiblichkeit: Lange Haare, Schmollmünder, prachtvolle Brüste, schmale Taillen. Die brünette "Emilie" zum Beispiel hat grünbraune Augen und einen ausdrucksstarken Mund. "Für den stand ein Mann Modell", verrät Wendt schmunzelnd. Schönheit ist eben keine reine Frauensache. "Emilie" ist eine Silikonpuppe, 168 Zentimeter groß, 42 Kilogramm schwer und wie ihre Mitstreiterinnen "Laura", "Sophie" oder "Valerie" mit Preisen von 5500 Euro aufwärts sündhaft teuer.

Zweisamkeit am Esstisch

Wer sie berührt, weiß warum: Anders als bei Gummipuppen ist die Haut dieser Geschöpfe pfirsichzart. Und anders als herkömmliches Sexspielzeug, das nach Expertenvermutungen 40 Prozent aller Erwachsenen besitzen, sind "Emilie" und ihre Kolleginnen weit mehr als nur Lustobjekte. Sie sind Gesellschafterinnen, Partnerinnen, Helferinnen in der Einsamkeit. "Wer eine Silikonpuppe braucht, will mehr als Sex", sagt Wendt. "Der will Nähe." Und die Puppe selbst brauche die fürsorgende Hand ihres Besitzers.
Wendt weiß von Hunderten Schicksalen: Von Betreuern Behinderter, die für ihre Schützlinge Möglichkeiten suchen, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Von dem Witwer, der die Leere im Ehebett nicht ertragen konnte. Vom Sehbehinderten, zu dem er mit zwei Silikonpuppen quer durch die Republik fuhr, der die Körper ertastete und gleich beide dabehielt, um auch anderen Gehandicapten dieses Erlebnis zu ermöglichen. Von denen, die mit ihren Puppen leben wie mit Ehefrauen, Zweisamkeit am Esstisch und gemeinsame TV-Abende inklusive.

Erfolg kam wie von selbst

Wie groß das Potenzial ist, das in seinem Geschäft steckt, hat Wendt verblüfft. Aus purem Zufall, nämlich just, als er seiner Frau die Möglichkeiten des Internet erklären wollte, sei er vor 13 Jahren dazu gekommen. Mit dem Beispiel "Wenn ich dir jetzt ein Sexspielzeug bestellen wollte", habe er www.gummipuppen.de eingegeben. Und weil die Domain frei war, habe er sie sich gesichert.
Alles Weitere lief wie von selbst. Kaum war ein günstiger Shop installiert, trudelten die ersten drei Bestellungen ein. Für die ließ er sich Ware aus Hamburg kommen. Inzwischen produziert Dollpark auch selbst. In aufwändigen Verfahren werden von lebenden Modellen Abdrücke aus Silikonkautschuk genommen und bearbeitet. Kleine Schönheitsfehler wie die Blinddarmnarbe oder die Orangenhaut bleiben. Vom Abdruck wiederum wird eine Form gefertigt, die mit einem Schaumstoff ummantelten Aluminiumskelett versehen und mit Silikon ausgefüllt wird. Zwei Mitarbeiter arbeiten zwei bis drei Tage an solch einer Puppe.

Eine Puppe pro Woche

"Wir steigern unser Geschäft stetig jedes Jahr", sagt Michael Wendt. "Seit wir 2009 unser Domizil im Neustädter Gewerbegebiet bezogen haben, etwas mehr als vorher." Allein von den Silikonpuppen machen sich jede Woche ein, zwei Stück auf den Weg zu Kunden. "Wir sind das größte deutschsprachige Forum für Silikon-Liebhaber", sagt Wendt. Tatsächlich hat Dollpark das Luxusproblem, mehr hochwertige Silikonprodukte verkaufen zu können, als produziert werden. Den Chef des Hauses stört das nicht allzu sehr, denn er will nichts lieber, als den Überblick behalten.
Überhaupt macht Wendt den Eindruck eines eher biederen Geschäftsmannes. So fühle er sich auch, sagt er. "Anderen gegenüber muss ich mich aber immer wieder erklären."

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