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Inflation : Wenn vom Brutto immer weniger bleibt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für viele Arbeitnehmer stagnieren und fallen die Reallöhne – nur bei Führungskräften legte die Bezahlung zuletzt deutlich zu.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 09.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Wiesbaden | Trotz hoher Tarifabschlüsse, niedriger Inflation und Wirtschaftswachstum haben deutsche Arbeitnehmer in diesem Jahr bislang kein zusätzliches Geld in der Tasche. Auch im zweiten Quartal wurden die nominalen Lohnsteigerungen von diesmal 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr von der Inflation vollständig aufgefressen, hat das Statistische Bundesamt am Dienstag berichtet. Die insgesamt stagnierenden und für viele Arbeitnehmer sogar fallenden Reallöhne gefährden nach Ansicht von Experten die Konjunkturstütze privater Konsum. Nur der Staat nimmt über die Steuerprogression mehr ein.

Als 2010 erstmals nach einer langen Durststrecke die Reallöhne in Deutschland wieder anzogen, jubelten insbesondere die nachfrageorientierten Volkswirte. Nach drei Jahren kontinuierlicher Reallohnzuwächse und einem weiteren Arbeitsplatzausbau ist der private Konsum längst zur verlässlichsten Stütze der zaghaften deutschen Konjunktur geworden. Doch Ökonomen wie Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erwarteten von den höheren Löhnen in Deutschland auch eine allmähliche Milderung der Ungleichgewichte in der Eurozone. Damit könnte es nach den jüngsten Zahlen bald vorbei sein. „Die tarifvertraglich vereinbarten Erhöhungen setzen sich nicht im vollen Umfang durch“, stellt Reinhard Bispinck vom Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung nüchtern fest. Für 2013 haben er und seine Kollegen auf der Grundlage der Abschlüsse eigentlich ein durchschnittliches Lohnplus von 2,8 Prozent errechnet.

Aber eben nur der Tarifverdienste, denn die amtliche Statistik registriert daneben auch die aktuell gefallenen Sonderzahlungen und tariflich ungeregelte Einkommen. Manches Plus wie das stärkste der geringfügig Beschäftigten um 5,7 Prozent erklärt sich zudem nicht aus gestiegenen Löhnen, sondern aus der zu Jahresbeginn auf 450 Euro hochgesetzten Verdienstgrenze. Es darf angenommen werden, dass die meisten Mini-Jobber für den höheren Lohn auch länger arbeiten müssen.

In der Statistik zeigen sich soziale Ungleichgewichte: So liegen die Gehaltszuwächse bei Führungskräften deutlich über der Inflation, bei Facharbeitern und Angelernten ebenso deutlich drunter. „Wenn man auf die Stundenverdienste schaut, sieht man einen Reallohnverlust von 0,2 Prozent“, so der Soziologe Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Reallohnsteigerungen der letzten drei Jahre waren offensichtlich nur eine kurze Episode.“

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