Wenn der Makler die Karten auf den Provisions-Tisch legt

yannik rahmann

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
26. Januar 2015, 19:22 Uhr

In Zukunft soll den Immobilien-Makler bezahlen, wer ihn bestellt hat. So ist es im Koalitionsvertrag von SPD und CDU vereinbart. In welcher Form das Gesetz in diesem Frühjahr kommen wird, ist noch unklar. Doch die Branche rüstet sich bereits. Manche drohen mit Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. Manche werden kreativ – und blicken zunehmend kritisch auf etablierte Geschäftsmodelle mit teuren Wohnungen und hohen Provisionen.

Seit Ende Dezember ist die Plattform ImmoClou online. Ihr Ziel: Kunden sollen aus Makler-Leistungen auswählen können. Das Versprechen: Größtmögliche Transparenz. Genau daran hat es aus Sicht von ImmoClou-Gründer Yannik Rahmann bislang nämlich gefehlt. Kunden hätten zu oft überhaupt nicht sehen können, wofür der Makler die Provision kassiert. Rahmann erzählt, wie er sein erstes Objekt verkauft, das erste Mal eine Provision gezahlt bekommen hat von einem Käufer, der ihn nur dreimal gesehen habe. „Der muss mich gehasst haben.“

Die Zahl der Makler in Deutschland ist in den vergangenen Jahren ebenso in die Höhe gegangen wie die Immobilienpreise in Ballungsgebieten. Allein die Online-Plattform Immobilienscout24 berichtet, dass es heute mehr als 35  000 Immobilienmakler hierzulande gebe – sechs Jahre vorher waren es noch 8000 weniger. Zugleich gilt kaum eine andere Berufsgruppe als so unbeliebt.

Seit vier Jahren ist Rahmann Immobilienmakler. Zuvor hat der heute 28-Jährige im Groß- und Außenhandel gelernt, eine Weile bei einem großen Makler-Unternehmen gearbeitet. „Es war nicht mein Ziel, Immobilienmakler zu werden“, sagt er selbst und versteht sich dann auch mehr als Unternehmer. „Ich sehe die Chance, die sich mit dem Bestellerprinzip bietet“, sagt er. „Der Makler hat früher dafür gesorgt, dass ein Kontakt hergestellt wird.“ Heute brauche kein Mensch mehr dafür einen Makler. Und so werden über ImmoClou Dienstleistungen angeboten. Das Funktionsprinzip beschreibt Rahmann anhand eines Kunden, der Bilder von seiner Wohnung haben möchte. „Das würden wir alles organisieren“, sagt er. Der Kunde wählt die Dienstleistung aus, Rahmann kümmert sich mit Hilfe seines Netzwerks aus Spezialisten darum. Ebenso kann dieses Team Kontakt mit Interessenten übernehmen, auf Wunsch die Besichtigungen, Texte für Anzeigen verfassen, sich um Energieausweise, Grundriss oder die 360-Grad-Ansichten des Objekts kümmern.

Alles wird in Bausteinen über die Plattform hinzugebucht. Mit seinem Konzept spare der Kunde Geld, wisse, was der Makler mache, sagt Rahmann. „Und ich verdiene immer noch gutes Geld.“ Tatsächlich geht es um sehr viel Geld. Nach Zahlen des Mieterbundes zahlen allein Deutschlands Mieter 1,2 Milliarden Euro an Makler-Courtage pro Jahr. Bislang sieht das geplante Gesetz das Bestellerprinzip nur für Vermietungen vor. Doch auch Verkaufsprovisionen geraten damit stärker in den Fokus der Kritik.  

Infos unter www.immoclou.de

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