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Ausbildung statt Studium : Wenn das Handwerk lockt

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Immer mehr Abiturienten in Schleswig-Holstein entscheiden sich für eine Lehre. Den Betrieben gefällt das – in den kommenden Jahren müssen bis zu 10.000 von ihnen eine Nachfolgeregelung finden.

Kiel/Lübeck | Das Handwerk im Norden boomt. Die Betriebe sind gut ausgelastet. Auch immer mehr Abiturienten scheinen die Attraktivität des Handwerks für sich zu entdecken. Allein von 2009 bis 2013 ist der Anteil der Abiturienten unter den Lehrlingen von sechs auf zehn Prozent gewachsen. Jeder zehnte Handwerker-Lehrling hat inzwischen die allgemeine Hochschulreife. Das geht aus Zahlen der Handwerkskammern in Schleswig-Holstein hervor. Doch das reicht aus ihrer Sicht aber noch nicht. „Wir wollen natürlich gerne die Quote der Abiturienten erhöhen“, so der Sprecher der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. „Die Abiturienten entscheiden sich meist in erster Linie für die Hochschulen.“

Dabei ist der Bedarf an Abiturienten im Handwerk groß – und Karriere-Chancen steigen besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Allein in Schleswig-Holstein müssen nach Zahlen der Handwerkskammern Flensburg und Lübeck in den nächsten Jahren bis zu 10.000 Betriebe eine Nachfolgeregelung finden. Dem stehen gerade einmal 600 Nachwuchshandwerker gegenüber, die zuletzt zwischen Nord- und Ostsee einen Meistertitel erworben haben – in vielen Bereichen immer noch Voraussetzung zur Fortführung des Betriebs.

Zuletzt hatte auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) für die Berufschancen von Studienabbrechern im Handwerk geworben. „Ich möchte, dass in diesem Land wirklich jeder eine Chance hat, sich vernünftig zu bilden und einen Abschluss zu haben“, bekräftigte sie gestern. „Nun ist die Zahl der Studienabbrecher nicht gering – gerade auch in den Ingenieurwissenschaften. Und andererseits haben wir im Handwerk ganz viele Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden können“, so Wanka. Gegenwärtig gibt es in Deutschland rund 2,5 Millionen Studenten. Die Studienabbrecherquote in der Bachelor-Studiengängen liegt laut Berufsbildungsbericht bei 28 Prozent. An den Maschinenbau-Fakultäten bricht zum Teil jeder Zweite das Studium ab.

Die Handwerkskammer Schleswig-Holstein wirbt vor allem mit zwei Projekten um Abiturienten und Studienabbrecher: Zum einen mit StudiLE – einem Studium mit integrierter Lehre –, zum anderen mit Kursänderung, einem Beratungsangebot.

Um den Bedarf an Fachkräften zu sichern, will die Handwerkskammer Lübeck künftig auch noch stärker auf Azubis und Lehrlinge aus Spanien setzen. Während die Handelskammer Hamburg kürzlich bei ihren Auszubildenden aus Südeuropa über hohe Abbrecherquoten geklagt hat, vermeldet Lübeck nur Erfolge. Von ursprünglich 21 gemeldeten Spaniern hätten nach einem Praktikum im vergangenen Jahr 18 eine Ausbildung begonnen. Für den nächsten Jahrgang werden derzeit bereits 23 neue Spanier ausgewählt, die dann ab September eine Ausbildung in Lübeck und Umgebung beginnen sollen.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 11:08 Uhr

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