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Drohende Insolvenz in Itzehoe : Weniger Kündigungen: Schonfrist für Prokon

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Bangen um Prokon geht weiter. Das Itzehoer Unternehmen hofft offenbar noch, ausreichend Genussrechtskapital halten zu können. Mit einer verlängerten Kündigungsfrist gibt es zwar keine Entwarnung, aber das Unternehmen hat sich mehr Luft verschafft.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 07:37 Uhr

Itzehoe | „Es wird schon weitergehen“ – so war gestern aus Mitarbeiterkreisen bei Prokon zu hören. Alle seien dabei, die Post der Anleger auszuwerten, und dies gehe wohl noch einige Tage so weiter. Zwar werde über die Lage diskutiert, aber eine Krisenstimmung herrsche nicht.

Bis gestern um 17.30 Uhr haben laut Prokon-Webseite 45.500 der etwa 75.000 Anleger abgestimmt, ob sie ihre Genussrechte behalten oder kündigen wollen. „Zurzeit überschneiden sich der Eingang und die Erfassung von Kündigungen und Kündigungsrücknahmen. Das heißt: Bei den fehlenden Anlegerabstimmungen kann noch keine Aussage über weitere potenzielle Kündigungen getroffen werden“, teilte das Unternehmen mit.

Fast 39.000 sollen bis gestern einer verlängerten Kündigungsfrist zugestimmt und somit 720 Millionen Euro bei Prokon belassen haben. 6500 Anleger kündigten dagegen zusammen 100 Millionen Euro. Am vorigen Freitag betrug der Summe der Kündigungen noch 226 Millionen Euro. Eine Entwarnung ist das noch nicht, aber das Unternehmen hat sich demnach mehr Luft verschafft. Erst vor elf Tagen hatte Prokon erklärt, dass eine Insolvenz nur zu vermeiden ist, wenn mindestens 95 Prozent des gesamten Genussrechtskapitals bis zum 31. Oktober 2014 nicht gekündigt werden. Anleger dürfen also nur 70 Millionen Euro abziehen. Da dieser Betrag noch um etwa 30 Millionen höher liegt, bleibt die Zukunft der Windkraft-Energie-Firma weiterhin ungewiss, ist auch eine Insolvenz nicht auszuschließen.

Doch auch eine Planinsolvenz muss nicht das Ende des Unternehmens sein, wie die Geschäftsleitung der Belegschaft bereits ausführlich im Vorfeld erläutert haben soll. Aus der Firma heißt es: „Eine Planinsolvenz kann auch eine Chance sein, gesund zu werden.“ Immerhin gebe es sehr viele sich drehende Windmühlen und auch Einnahmen aus den beiden anderen Bereichen. Natürlich werde die Firma kleiner werden, aber es könne weiter gehen. Aus dem Umfeld von Geschäftsführer Carsten Rodbertus ist zu hören, dass es „auf jeden Fall“ weitergeht. In der vergangenen Woche hatte er unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben sind.

Unterdessen hat Prokon in diesen Tagen im Nortorfer Ortsteil Poßfeld (Kreis Steinburg) den zweiten Prototyp seiner Windenergieanlage „P 3000“ aufgestellt. Die erste Anlage aus eigener Fertigung war voriges Jahr in Krackow (Mecklenburg-Vorpommern) in den Probebetrieb gegangen.

Die Bundesregierung will aus den Vorgängen um Prokon Konsequenzen ziehen. „Die aktuelle Debatte um Prokon zeigt, dass der Verbraucherschutz im Bereich des Finanzmarkts gestärkt werden muss“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber, dem „Handelsblatt“. Die Finanzaufsicht Bafin sollte möglichst schnell in die Lage versetzt werden, Finanzprodukte zu verbieten oder den aktiven Vertrieb zu untersagen, sofern diese die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen.

 
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