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Überstunden und zu wenig Geld : Wegen Fachkräftemangel: Lehrlinge in SH stehen unter Druck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gewerkschaft kritisiert Mängel in der Ausbildung und Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz im Norden.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 14:21 Uhr

Kiel | Der Fachkräftemangel macht der Wirtschaft in Schleswig-Holstein immer stärker zu schaffen. Doch die Betriebe sind an der Entwicklung offenbar nicht ganz unschuldig. Eine Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden sind keine Seltenheit und Überstunden bei vielen mehr Regel als Ausnahme. Vor allem über die Verhältnisse in einer Branche klagen die jungen Menschen besonders, die der Deutsche Gewerkschaftsbund in seinem aktuellen Ausbildungsreport Schleswig-Holstein 2017 befragt hat.

Sollen die Fachkräfte von morgen in SH gehalten werden, müssen die Betriebe entsprechende Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Es ist das dritte Mal, dass der DGB Nord mit seinem Report die Ausbildungsverhältnisse im Land unter die Lupe genommen hat. „Wir haben schon in den vergangenen Reporten den Finger in die Wunde gelegt“, sagte der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn, am Donnerstag bei der Vorstellung der aktuellen Ausgabe. Anhand eines Fragebogens wurden 2723 Auszubildende aus den 25 beliebtesten Ausbildungsberufen befragt. „Die Fachkräfte von morgen müssen im Betrieb gut ausgebildet und fair behandelt werden“, so Polkaehn. Eine Selbstverständlichkeit sei dies ihm zufolge jedoch nicht. Entsprechend fallen auch die Ergebnisse des Berichts aus.

Mehr als jeder dritte Auszubildende (39,1 Prozent) berichtet von regelmäßigen Überstunden. Für 16,1 Prozent ist zudem eine Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden die Regel, selbst bei jenen Lehrlingen, die noch keine 18 Jahre alt sind, berichten 14,3 Prozent davon – das ist ein klarer Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz. Zudem geben mehr als zwei Drittel der Auszubildenden (70,8 Prozent) an, ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen zu müssen und den Ausbildungsplan hält demnach nur ein Drittel (32,4 Prozent) der Betriebe ein. Obendrein liegt die Vergütung mit durchschnittlich 705 Euro über alle drei Ausbildungsjahre hinweg im Norden deutlich unter dem westdeutschen Durchschnitt von 832 Euro.

„Unser Ausbildungsreport zeigt, wo es Handlungsbedarf gibt: bei der Vermittlung der Ausbildungsinhalte und natürlich beim Einhalten der Arbeitszeiten“, sagte Jeanine Weigel, Bezirksjugendsekretärin des DGB Nord. Trotz der Mängel gaben 68,7 Prozent der befragten Azubis an, mit ihrer Ausbildung „zufrieden “(50,6) oder „sehr zufrieden“ (18,1) zu sein.

Allerdings stach vor allem eine Branche negativ hervor: Der Bereich der Hotel- und Gaststätten – in dem jeder dritte Betrieb (33,3 Prozent) den Ausbildungsplan nur manchmal, selten oder nie befolgt, Lehrlinge seltener zufrieden mit der Qualität der Ausbilder sind als in den übrigen Betrieben und mit 61,5 Prozent weitaus mehr von regelmäßigen Überstunden und 5,5-6-Tage-Woche berichten.

DGB-Chef Polkaehn mahnte Verbesserungen an. „Dringend nötig ist die schlichte Einhaltung der gesetzlichen Mindestvorschriften, insbesondere zu den Arbeitszeiten, dem Ausgleich der Mehrarbeit und den Ausbildungsinhalten.“ Der DGB Nord regte eine „Soko Gastro“ bei der Arbeitsschutzbehörde an, die Verstöße bei Arbeitszeiten kontrollieren könne. „Letztlich ist das auch ein Schutz der Unternehmen, die ordentlich arbeiten“, so Polkaehn. In Richtung der Kammern plädierte die Gewerkschaft, dass sie ihrem Auftrag zur Sicherung der Ausbildungsqualität stärker nachkommen müssten. Bei Betrieben, denen drei Jahre in Folge 30 Prozent der Azubis abspringen, forderte Polkaehn, die Ausbildereignung zu entziehen. „Nur Qualität in der Ausbildung kann dazu führen, dass genug Fachkräfte zur Verfügung stehen.“

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