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Konfliktlösung : Was Schüler vom Krach um Krabben lernen können

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Der Streit in der Fischerei dient als Unterrichtsstoff: Geografiestudent Malte Blockhaus hat dazu ein Internetportal erstellt.

Kiel | Nein, ein Fan von Krabbenbrötchen war Malte Blockhaus noch nie. Aber der Konflikt um die Fischerei in Schleswig-Holstein, der interessiert den 29-Jährigen. „Daran kann man jungen Leuten zeigen, wie Konflikte entstehen und wie man mit ihnen umgeht“, sagt der Kieler. Deshalb hat der Geografiestudent für seine Abschlussarbeit ein Internetportal geschaffen, in dem Schüler und Lehrer Filme von Beteiligten des Konflikts finden, und so deren Argumente nachvollziehen können. „Ich wollte eine Arbeit machen, die hinterher einen praktischen Nutzen hat.“

Seit Jahren streiten Krabbenfischer mit Naturschützern und Politik darüber, in welchen Zonen des Nationalparks sie Garnelen fangen dürfen. „Für Schüler zeigt dieser Konflikt aus dem Land deutlich, dass es nie einfache Lösungen gibt“, sagt Blockhaus. Es gehe um die Auseinandersetzung um begrenzte Ressourcen, das werde für zukünftige Generationen immer wichtiger. „Das mit dem Medium Film zu vermitteln ist einfach toll, weil so die Schüler schnell aufmerksam werden. Die Jugendlichen können in Rollenspielen argumentieren lernen.“ Etwa könnte so eine Debatte im Umweltausschuss simuliert werden. Der Konflikt biete von allem etwas: Politik, Geografie, Naturschutz, Wirtschaft, Tourismus, ländliche Räume, Soziales. Noch können Schulen Blockhaus’ Angebot kostenlos nutzen, ab dem kommenden Monat wird er „einen bis fünf Euro“ verlangen, damit seine Filme und sein Konzept komplett online genutzt werden können. „Das Projekt hat eine Menge Geld gekostet“, sagt Blockhaus, der sich neben dem Studium eine Existenz als selbstständiger Image- und Dokumentarfilmer aufgebaut hat. Entsprechend professionell sind seine Filme, in denen etwa Umweltminister Robert Habeck (Grüne) vorkommt und die von Tagesschau-Sprecher Marc Bator eingesprochen worden sind.

Den Schülern könne in mindestens zwei Unterrichtsstunden vermittelt werden, wie Konflikte moderiert werden können, sagt Blockhaus. Er als neutraler Beobachter der Auseinandersetzung wisse nach einem Jahr Recherche zwar auch keine Lösung. Aber: „Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, ältere Krabbenfischer zu entschädigen, wenn sie den Job aufgeben. Dann hätte man automatisch weniger Kutter, die nicht überall fischen müssten“, sagt Blockhaus, der für seine Arbeit selbst auf einem Kutter mitgefahren ist. Und dort ist der gebürtige Niedersachse endgültig zum Schleswig-Holsteiner geworden. „Auf dem Meer habe ich auch frisch gekochte Krabben gegessen – und da haben sie mir richtig gut geschmeckt.“

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erstellt am 20.Okt.2013 | 09:31 Uhr

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