Regional-Kennzeichnung : Was ist ein Regionalprodukt?

Prall gefüllter Einkaufswagen: Aber wann verdient ein Produkt die Bezeichnung 'Aus der Region'? Darüber gibt es in der Lebensmittelbranche unterschiedliche Ansichten. Foto: picture alliance
Prall gefüllter Einkaufswagen: Aber wann verdient ein Produkt die Bezeichnung "Aus der Region"? Darüber gibt es in der Lebensmittelbranche unterschiedliche Ansichten. Foto: picture alliance

Sie stehen bei Verbrauchern hoch im Kurs, sorgten in den letzten Wochen aber immer wieder für Diskussionsstoff: regionale Produkte.

shz.de von
04. Oktober 2011, 11:11 Uhr

Kiel | Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gab kürzlich bekannt, dass sie an "Leitlinien für eine transparente und zuverlässige Regional-Kennzeichnung" arbeite. Und die Zeitschrift "Ökotest", die in der September-Ausgabe 53 regionale Lebensmittel unter die Lupe genommen hatte, kam zu dem Ergebnis, dass nur 14 Produkte wirklich aus dem näheren Umkreis des Verkaufsorts stammen.
Fest steht, dass es für regionale Produkte bisher gar keine genaue Definition gibt. Es sollen Produkte aus der Region sein. Produkte, die in der Regel in der Region verarbeitet und vermarktet werden. Dabei haben die Anbieter solcher Produkte ein unterschiedliches Verständnis vom Wort "Region". Klar ist auch, dass nicht immer alle Rohstoffe - wie beispielsweise Gewürze - aus der Region kommen können. Unsere Zeitung hat nachgefragt, wie der Handel in Schleswig-Holstein sowie der Verein "Feinschmecker" zu der Diskussion stehen.
Handel informiert im Internet über Produkte
"Die Entscheidung wie weit eine Region reicht, ist meines Erachtens einerseits von jedem subjektiv zu betrachten, andererseits objektiv durch geografische, politische oder geschichtliche Grenzen definiert", sagt Rolf Heidenberger, Geschäftsführer des Nordfrische Centers der Edeka Nord in Valluhn. "Für uns als Fleisch- und Wurstvermarkter bedeutet ,Region unser Absatzgebiet", sagt er mit Blick auf die Regionalmarke "Gutfleisch". Dazu gehören Schleswig-Holstein, Hamburg, Nord-Niedersachsen, Nord-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Und ob Schweine-, Kalb- oder Lammfleisch, mit Ausnahme der Gewürze stammen laut Heidenberger sämtliche "Gutfleisch"-Rohstoffe aus der Region. "Rinder stammen aus Deutschland, sind also nicht ,regional", ergänzt Heidenberger. Und er fügt noch etwas hinzu: "Wir behaupten nicht, dass wir unsere Produkte ,lokal vermarkten, sondern behaupten lediglich, dass wir ,aus der Region, für die Region vermarkten." Das gelte auch für die Produkte der Linie "Unsere Heimat - echt und gut", auch dort kämen die Rohstoffe aus der Region.
Das Unternehmen verweist ebenso wie auch Coop darauf, dass es im Internet ausführliche Informationen zu den Produkten gibt. Die Coop Genossenschaft vertreibt in Plaza- und Sky-Märkten unter anderem die Regionalmarke "Unser Norden". Dazu gehören laut Unternehmen inzwischen mehr als 300 Produkte. Und der "größtmögliche Anteil der Rohstoffe soll aus der norddeutschen Umgebung kommen". Mit Blick auf Produkte wie Kaffee oder Cashewkerne, bei denen die verwendeten Rohstoffe eindeutig nicht aus Norddeutschland stammen, verweist das Unternehmen darauf, das diese aber in der Region verarbeitet und veredelt werden. Und somit die Wertschöpfung in der Region stattfindet. Für das Non-Food-Sortiment gelte die regionale Herstellung allerdings nur eingeschränkt. Bleibt die Frage nach der Definition des Wortes Region. "In Bezug auf unsere Regionalmarke ,Unser Norden ist uns bewusst und bekannt, dass der Begriff ,Regionalität in Deutschland und in der EU sehr unterschiedlich gehandhabt wird", sagt Vorstandssprecher Gerd Müller. "Dabei definieren wir als unseren Norden Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg sowie die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin."
"Ja, Verbraucherschutz steht mit an oberster Stelle"
Für den Verein Feinheimisch dagegen - indem sich Spitzengastronomen und Lebensmittelerzeuger mit dem Ziel zusammengeschlossen haben, regionale Produkte zu verarbeiten und zu vermarkten - bedeutet Region im Moment das Bundesland Schleswig-Holstein. Dabei fordert der Verein von seinen Mit gliedern, die Rohstoffe - sofern irgendwie möglich - komplett aus dem nördlichsten Bundesland zu beziehen. Restaurants sollen jedoch mindestens 60 Prozent regionale Rohstoffe verwenden, weiterverarbeitende Produzenten 100 Prozent - mit Ausnahme von Zutaten wie Gewürzen oder Zucker.
Eine Region ganz genau zu definieren hat durchaus Tücken. Für ein Lübecker Restaurant kann ein Kartoffelanbauer aus Mecklenburg-Vorpommern durchaus näher sein, als ein anderer in Schleswig-Holstein. Hält Feinheimsch Leitlinien für regionale Produkte, die das Bundesverbraucherministerium erarbeiten will, für sinnvoll? "Ja, Verbraucherschutz steht mit an oberster Stelle", sagt Feinheimisch-Sprecher Markus Huber.

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