Studienmodell in Lübeck : Warum die 22-jährige Liu Yong in Deutschland arbeiten will

Auf Erfolgskurs (v.l.) - die China-Koordinatorinnen Nicola Graessner, Stefanie Brünning und Peng Lan  mit den Studierenden Liu Yong und Zhao Yijun. Foto: Lubowski
Auf Erfolgskurs (v.l.) - die China-Koordinatorinnen Nicola Graessner, Stefanie Brünning und Peng Lan mit den Studierenden Liu Yong und Zhao Yijun. Foto: Lubowski

Für chinesische Investoren werden deutsche Unternehmen immer gefragter. Die Fachhochschule Lübeck bietet ein deutsch-chinesisches Studienmodell an.

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18. Juli 2012, 10:33 Uhr

Lübeck | Die Spatzen pfeifen es längst von den Unternehmensdächern: Chinesische Investoren reißen sich um deutsche Firmen. Da liegt es auf der Hand, dass deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen nicht nur qualifizierte Kräfte brauchen, sondern Menschen mit hohen interkulturellen Kompetenzen - so wie die jungen Männer und Frauen aus Shanghai, die vom deutsch-chinesischen Studienmodell der Fachhochschule Lübeck und der East China University of Science and Technology (ECUST) in Shanghai profitieren. Dieses umfasst die Studiengänge Umweltingenieurwesen und Informationstechnologie und gilt beim Deutschen Akademischen Austauschdienst als "Vorzeige-Projekt".
Englisch ist für die 22 Jahre alte Liu Yong und den gleichaltrigen Zhao Yijun die Verkehrssprache sowohl an der Universität in Shanghai als auch an der Fachhochschule Lübeck. Aber eines wollen beide auf Deutsch sagen: Dass sie in Lübeck schnell Freunde gewonnen haben, dass sie Menschen und Stadt in ihre Herzen geschlossen haben, und dass es die Attribute waren, die in China als typisch deutsch gelten - fleißig, planvoll, verlässlich -, die sie an Deutschland gereizt haben. Liu Yong (Umweltingenieurswesen) und Zhao Yijun (Informationstechnologie) gehören zu den 64 Studierenden aus Shanghai, die gerade in Lübeck ihren Abschluss gefeiert haben - ein deutsch-chinesischer Doppelabschluss.
Deutsche Hochschulen auf Platz drei der Beliebtheitsskala
Deutschland ist begehrt bei chinesischen Studenten. Nicola Graessner, Koordinatorin des Lübecker Studienmodells, unterstreicht, dass deutsche Hochschulen nach den US-amerikanischen und den britischen bei chinesischen Studenten an dritter Stelle stehen. Die gegenseitige wirtschaftliche Anziehungskraft läuft dazu beinahe parallel. Die Studenten, die dem deutsch-chinesischen Studienmodell entspringen, sind in dieser Szenerie heiß begehrt.
"Das Programm zielt darauf, hoch qualifizierten Führungskräftenachwuchs für den internationalen Arbeitsmarkt, insbesondere für die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen heranzubilden." So hat FH-Vizepräsident Joachim Litz eines der Ziele des Programms definiert. Kontakte der Studierenden zu Unternehmen gehören zum Konzept.
Mehr Bewerber als Studienplätze
Bewerber dafür, allesamt mit Bestnoten ausgestattet, gibt es bei weitem mehr als die insgesamt 80 Plätze, die pro Jahr zur Verfügung stehen. Und das, obwohl allein schon vor einem Studium in China die Hochschulzugangsprüfung steht und die Lebenshaltungskosten in Deutschland von den Familien getragen werden müssen. Dann verliest die ECUST die Bewerber für das Studienmodell noch einmal von Hand. Gebüffelt wird dann in den ersten fünf der insgesamt acht Semester in Shanghai, bevor es zu den letzten drei Semestern nach Lübeck geht; Liu Yong und Zhao Yijun gehören zum fünften Jahrgang. Der hat die hohe Motivation der chinesischen Studenten wieder einmal bewiesen: Nur zwei der 66 Studierenden aus Shanghai haben den Abschluss nicht geschafft. Die Abbrecherquote deutscher Studierender liegt bei mehr als 30 Prozent.
Und fast 50 Prozent der chinesischen Studenten wollen erst einmal in Deutschland bleiben. Liu Yong zum Beispiel geht für ein Aufbau-Studium nach München. Dann, sagt sie, würde sie gerne ein paar weitere Jahre in Deutschland nutzen, um in Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Sie würde auch gerne für immer bleiben, aber als einziges Kind will sie ihre Eltern nicht allein lassen. Zhao Yijun möchte in Hamburg weiter studieren.
Was das Studium in Gang setzten kann, hat ein Student zum Abschluss in Lübeck so geschildert: "Wir sind alle exzellente Ingenieure geworden und jetzt machen wir uns auf den Weg, die Welt zu ändern."

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