Wachstum mit drei Dimensionen

markus rechlin, vorstandsvorsitzender der slm solutions group ag_foto slm

Vor einem halben Jahr ging das Lübecker Unternehmen SLM Solutions an die Börse – seitdem wird kräftig investiert und neues Personal eingestellt

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30. Dezember 2014, 19:00 Uhr

Parkplätze? Fehlanzeige. Vor den Gebäuden der SLM Solutions Group AG im Lübecker Gewerbegebiet Roggenhorst stehen die Mitarbeiter-Pkw dicht an dicht. Das Thema „Platz“ steht ziemlich weit oben auf der SLM-Agenda. Es wird eng, und das ist ein gutes Zeichen. Seit dem Börsengang im Mai, dem ersten im Jahr 2014 überhaupt, hat das Unternehmen kräftig zugelegt. Tendenz: weiter steigend.

Metallbasierte additive Fertigungstechnologie heiß korrekt, was bei den Lübeckern entsteht und gemeinhin als „3D-Druck“ bezeichnet wird – Verfahren, mit denen beliebige dreidimensionale Metallteile hergestellt werden können. Schichtaufbauprozess und patentierte Lasertechnologie statt Fräse oder Gussverfahren mit entsprechender Materialersparnis. SLM Solutions ist eines von weltweit nur acht Unternehmen, das Maschinen dieser Art herstellt – und von der zunehmenden Nachfrage profitiert, die der Vorstandsvorsitzende Markus Rechlin am Beginn einer steilen Kurve einordnet – eine Welle, auf der SLM reiten will. Der Börsengang hat 75 Millionen Euro ins Unternehmen gespült. Das frische Geld wird investiert in Vertrieb und Service und in die Entwicklung des sogenannten After-Sale-Geschäfts, denn wer 3D druckt, braucht Metallpulver. Geld soll auch in die Forschung fließen, denn, so Rechlin, das Lübecker Unternehmen soll bleiben, was es ist: ein führendes.

Mitarbeiterzahl fast verdoppelt, Aufträge schon im November mehr als verdoppelt, die Quartalsergebnisse können sich sehen lassen. Mit gut acht Millionen Euro lagen die Umsatzzahlen im dritten Quartal um 89,4 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums (4,23 Millionen Euro), im Kerngeschäft sogar um 141,5 Prozent. Insgesamt wuchs der Umsatz in den ersten neun Monaten 2014 um 47,3 Prozent auf 18,84 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 0,591 auf 0,785 Millionen Euro.

Mit dem Börsengang ist der Wandel fester Bestandteil geworden. 145 Mitarbeiter zählt SLM Solutions aktuell, vor einem Jahr waren es rund 80. „Finnland, Polen, Kasachstan – bei uns arbeiten Menschen aus zehn Nationen“, sagt Marketing-Manager Stefan Ritt. Der seit Mai deutlich gestiegene Bekanntheitsgrad habe interessante Bewerbungen nach sich gezogen. Kein Wunder, dass die Pkw-Stellplätze knapp sind. „Flächen sind überhaupt ein großes Thema bei uns“, sagt Rechlin und berichtet von Verhandlungen mit der Stadt, die natürlich nicht allein wegen Parkraums geführt werden. Die Fertigungshalle, die vor einem Jahr noch großzügig Platz bot, ist inzwischen gut mit Menschen und werdenden Druckern gefüllt. Ein anderer Raum wurde umgewidmet und steht kurz vor der Vollendung als Applikationszentrum. Hier werden Kunden in Kürze SLM-Maschinen bei der Arbeit sehen, hier soll demonstriert, informiert und geschult werden.

Und nicht nur an der Trave brummt das Unternehmen. Eine Nordamerika- und eine Weltkarte im Büro des Vorstandsvorsitzenden deuten an, wohin die Reise gehen soll. Die Präsenz der nordamerikanischen Tochter SLM-Solutions NA in Michigan ist gerade räumlich erweitert worden, eine personelle Stärkung steht an.

Kann das überschaubare Lübeck da noch lange als Hauptsitz attraktiv sein? „Bislang bekommen wir das Personal, das wir haben wollen“, sagt Ritt, verweist auf die aparte Lage zu Hamburg und Ostsee, und auch auf das, was Lübeck selbst an Kultur zu bieten hat, sowie auf andere große Unternehmen – Baader, Dräger, Euroimmun, Niederegger, Possehl –, die ebenfalls von der Trave aus in die Welt agieren: „Wir streben danach, uns da einzureihen.“

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