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Dieselgate : VW-Rückruf-Aktion: So wappnen sich die Händler in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das wird eng: 2,4 Millionen VW-Autos müssen in die Werkstatt. Worauf sich Autobesitzer jetzt einstellen müssen.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 20:24 Uhr

2,4 Millionen Autofahrer müssen wegen des VW-Abgas-Skandals im nächsten Jahr mit ihrem Diesel in die Werkstatt. Das ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) an. In der gesamten EU stehen sogar 8,5 Millionen Rückrufe an, wie VW mitteilte. Die gigantische Aktion dürfte vor allem die Vertragswerkstätten des Konzerns vor Herausforderungen stellen. Die Kosten für den Rückruf trägt zwar der Hersteller, doch für gewöhnlich wickelt er die notwendigen Arbeiten in seinen Vertragswerkstätten ab. Dort aber dürfte es in den kommenden Monaten eng werden.

VW hatte mit einer Software die Abgaswerte bei Dieselwagen geschönt und damit den größten Skandal in der Unternehmensgeschichte heraufbeschworen. Es drohen Milliardenkosten für die Nachbesserung, mögliche Strafzahlungen und gerichtliche Auseinandersetzungen. VW-Chef Martin Winterkorn musste im Zuge des Skandals seinen Posten räumen. Sein Nachfolger ist Matthias Müller, der zuvor Porsche-Chef war.

Die Mehrheit der Rückrufe betrifft Wagen der Marke VW, diese listet auf ihrer Internetseite rund 2200 Vertriebs- und Servicepartner für ganz Deutschland auf. Würden sich die Rückrufe gleichmäßig nur auf die VW-Marken-Werkstätten verteilen, kämen auf jeden 1100 zurückgerufene Fahrzeuge zu. „Das ist eine logistische Herausforderung, die es zu bewältigen gilt“, räumt auch Stephan Immen, Sprecher vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ein – sowohl was die Kapazitäten der Werkstätten als auch der Zulieferer betreffe. Wenig Sinn habe es ihm zufolge daher, alle Fahrzeuge gleichzeitig zurückzurufen.

Anfang des kommenden Jahres dürften die Rückrufe beginnen. VW plant für die betroffenen Autos mit 2,0 Litern Hubraum reine Software-Lösungen. Bei Motoren mit 1,6 Litern Zylindervolumen ist wohl zusätzlich eine Anpassung in der Motortechnik nötig – also ein Eingriff nicht nur über die Programmierung. Diese technische Lösung stehe vermutlich erst ab September 2016 zum Einbau zur Verfügung, sagte KBA-Sprecher Immen.

Zuletzt wurde davon ausgegangen, dass gut ein Viertel der betroffenen Fahrzeuge zur Konzerntochter Audi gehören könnte. Doch selbst wenn nur 1,5 Millionen Wagen von VW vom Rückruf betroffen wären, würde das noch immer auf rund 680 Fahrzeuge pro Betrieb hinauslaufen.

Die Autohäuser in Schleswig-Holstein bereiten sich auf diese Herausforderung vor. Zum Teil haben sie nach eigenen Angaben Kontakt zu ihren Internet-Betreibern aufgenommen, um sicherzustellen, dass sie die großen Daten-Mengen des Software-Updates schnell genug verarbeiten können.

Um die Dimensionen des VW-Rückrufs einzuordnen: Knapp eine Million Fahrzeuge wurden von Herstellern in der ersten Hälfte des Jahres zurückgerufen. 2013 schrieb das KBA 770.262 Halter an – im Rahmen von 180 verschiedenen Rückrufaktionen. KBA-Sprecher Immen: Der Rückruf sei diesmal „kein Produktsicherheitsfall“, man befinde sich auf „genehmigungsrechtlichem Parkett“.

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