"HolySeven" : Von Holunderblüten, Wassereimern und einer Geschäftsidee

Der Holunderlikör "HolySeven" ist garantiert biologisch aus regionalen Produkten aus Ostholstein hergestellt.

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05. Juli 2011, 09:31 Uhr

Warnsdorf | Ob Alkoholika der Gesundheit dienlich sind, darüber streiten die Geister. Inspirierend war eine hochprozentige Begegnung für Hannes Klaubert und Ingo Paetow allemal: Die Ostholsteiner vertreiben den Holunderlikör "HolySeven" - garantiert biologisch aus regionalen Produkten hergestellt. Die Idee dazu wurde während eines Urlaubs in Schweden geboren.
Strandgut Getränke GbR heißt das Zwei-Mann-Unternehmen in Warnsdorf, das Holundersirup und Holunderblütenlikör vertreibt, hergestellt nach eigener Rezeptur. Auf den Geschmack gekommen sind Klaubert und Paetow während eines Segelurlaubs, der sie gerade zur Sommersonnenwende nach Schweden führte, wo Schnaps mit Holunder zur kürzesten Nacht des Jahres wie Kleiner Onkel zu Pippi Langstrumpf gehört. "Das war einfach lecker", sagt Paetow und berichtet von den Folgen dieser Begegnung: Holunderblüten, die in Wassereimern angesetzt, Ergebnisse, die verworfen, verbessert und schließlich verfeinert wurden.
Wildsammlungen und Ernte vom Holunderhof
Inzwischen stellt eine private norddeutsche Süßmosterei den Sirup her. Dessen Basis sind schleswig-holsteinische Holunderblüten, teils aus Wildsammlungen, zum größeren Teil von einem biozertifizierten Holunderhof in Helle. Für den Likör wird dem Sirup Wodka beigegeben. "Der stammt aus ökologisch angebautem Weizen und ist ebenfalls biozertifiziert", sagt Klaubert.
Der Name des Getränks soll eigentlich eine Koseform von Holunder sein, die mitschwingende, mystische Andeutung ist aber nicht ungewollt. "Holunder ist seit Jahrtausenden als Heilpflanze bekannt", sagt Klaubert und weiß von Mythen und Legenden um ihre Wirkung zu erzählen: "Nach der germanischen Mythologie ist der Holunder die Pflanze der Göttin Holla, die uns als Frau Holle bekannt ist." Natürlich wissen die norddeutschen Holunder-Experten um Wirkung und Eigenarten der cremeweißen Blüten: Dass sie ganz ähnlich wirken wie die dunklen, aber deutlich herberen Beeren, dass sie keine langen Transportwege dulden und schon drei Stunden nach dem Schnitt an Kraft verlieren. "Holunderblüten haben ein sehr feines, flüchtiges Aroma", sagt Paetow, "das leidet, wenn es tiefgekühlt wird". Also kommt bei "Strandgut" nur frischer Schnitt in die Mosterei. Und die "Seven" im Likörnamen? Die leitet sich aus den sieben Zutaten des Gebräus ab, das neben dem Wodka aus den Sirupzutaten Holunderblüten, Wasser, Rübenzucker, Citronensäure, Rosenwasser und Gewürzen besteht.
Holunderplantage geplant
Am liebsten würden Klaubert und Paetow selbst eine Holunderplantage anlegen, doch neben dem Zeitaufwand stellt sich die Eigenwilligkeit der Pflanze in den Weg: Holunder, der sich in freier Natur gelegentlich zum Ärger von Gartenbesitzern offenbar problem- und anspruchslos selbst vermehrt, entzieht sich dem Willen seiner beiden Verehrer, was hauptsächlich an deren Zeitbudget liegt, denn hauptberuflich sind Klaubert und Paetow in Lübeck und Hamburg als Ingenieur für Verfahrenstechnik mit Schwerpunkt Prozesstechnik und als Designer und Projektleiter aktiv.
Die Firma ist noch jung, der Handel läuft vielversprechend. Von 2009 auf 2010 hat sich der Vertrieb verdoppelt, von 2010 auf 2011 verdreifacht. "In diesem Jahr wollen wir die Zehntausender-Marke knacken", sagt Paetow. 10.000 Flaschen - das ernährt noch nicht die Familien, soll aber Wegmarke auf dem Weg dahin sein. Fünfmal mehr, so haben sie ausgerechnet, braucht es, um alle Kraft ihrer Strandgut Getränke GbR widmen zu können. Ideen für diesen Fall gibt es genug, die ranken sich auch schon um andere wilde Früchte.
(lub, shz)

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