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Cup & More : Vom Gläserwäscher zum Becher-Millionär

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Unternehmen Cup & More setzt auf moderne Technik, Innovation und Software – und ist damit im norddeutschen Mittelstand immer noch eine Ausnahme.

Bad Segeberg | Mit dem Spülen von Gläsern hat die Karriere von Michael Andresen begonnen. Heute ist der Mittvierziger ein bekennender „Becher-Millionär“. Bei der Kieler Woche ist er mit seinem Unternehmen ebenso dabei wie bei den großen Fußballfesten zur Weltmeisterschaft. Zu seinen Kunden gehören die NordGastro-Messe ebenso wie die Flensburger Brauerei. Wenn irgendwo in Deutschland Großveranstaltungen stattfinden, stehen die Chancen gut, dass Andresen vor Ort ist – mit seinen Hunderttausenden und Millionen von Kunststoffbechern, einem mit Spezial-Spülmaschinen bestücktem 40-Tonnen-Sattelaufleger und einer maßgeschneiderten Software-Lösung. Sie kontrolliert und protokolliert, welche Becher die Lager von „Cup & More“ verlassen, welche zurückgebracht werden, welche gereinigt wurden, welche wieder verliehen werden. „Wir würden heute nicht da stehen, wo wir stehen, wenn wir diese Software nicht hätten“, so Andresen, der über Smartphone und Tablet von jedem Ort der Welt verfolgen kann, wo sich seine Becher befinden. „Am Ende des Tages ist so eine Software wie ein Mitarbeiter“, sagt er – freilich, ein Mitarbeiter, der selten krank ist.

Nach Zahlen der „Initiative D21“ liegt die Breitbandnutzung im nördlichsten Bundesland bei gerade einmal 58,3 Prozent – nur in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist der Wert noch geringer. Unternehmer wie Andresen, die im Alltag auf maßgeschneiderte Software-Lösungen und nicht auf Excel-Tabellen setzen, sind da noch immer eine Ausnahme. Einer Erhebung der Telekom zufolge gibt es gerade im Gastgewerbe, aber auch bei der Baubranche Nachholbedarf.

„Wie oft im Leben war es eine Bierdeckel-Wette“, berichtet Andresen über die Anfänge. Mehr als 20 Jahre reichen sie zurück. Das Internet spielte noch keine große Rolle. In seiner Zeit bei der Kreis-Landjugend in Segeberg kam die Idee auf, die Getränkebehälter bei den Partys auf ein Mehrwegsystem umzustellen. Das Vorhaben gelang. Ausgesprochen gut sogar. Zunächst mit Glas, später mit Kunststoffbechern. Doch für Andresen bleibt es beim Nebenverdienst. In seiner Freizeit tüftelt er weiter – probiert aus, reinigt und verleiht.

Erst 2006 setzt er mit dem Unternehmen „Cup & More“ voll und ganz auf das Becher-Geschäft. Noch im selben Jahr gibt es eine Kooperation mit Coca-Cola im Rahmen der Fußball-WM. Drei Jahre später geht in München der Patentantrag für eine Becher-Spülmaschine ein, die 150.000 Kunststoffbecher am Tag reinigen und trocknen kann. Dann nimmt Andresen noch einmal Geld in die Hand – und lässt in Lübeck seine Becher-Software programmieren.

Wichtig sei es für einen Unternehmer, „dass er selbst feststellt, mit meiner Streichliste werde ich nichts mehr“, sagt Heinz Rohde. Als E-Business-Lotse – und damit Teil eines Projekts des Bundeswirtschaftsministeriums – berät er mittelständische Betriebe in Schleswig-Holstein. „Unsere Aufgabe ist es, den Unternehmern im Land etwas auf die Sprünge zu helfen“, so der Experte. Und da besteht oft Nachholbedarf. „Ich glaube, dass viele Unternehmer das machen, was sie maximal können“, sagt Rohde zwar diplomatisch. Gemeint ist damit jedoch, dass Möglichkeiten moderner Technik oft außer Acht gelassen werden. Die Folgen können fatal sein. „Jede Firma muss heute im Internet zu finden sein, sonst wird sie in fünf Jahren gar nicht mehr gefunden“, mahnt etwa auch Christian Rätsch, dessen Team bei der Telekom mehr als 1500 Mittelständler zum Grad der Digitalisierung und zur Nutzung moderner Technik befragt hat.

Beispiele wie Andresen und seine Becher sind den Experten da willkommen. Anders als junge Start-Up-Firmen, deren Geschäft meist nur noch im Internet stattfindet, kann Andresen anderen Mittelständlern als Vorbild dienen. „Er macht etwas Nachvollziehbares“, so Rohde. Beim Unternehmerforum Nordfriesland spricht Andresen daher Ende des Monats über den Einsatz und die Rolle von Software in seinem Unternehmen – und natürlich über seine Becher. Mit diesen geht es per Franchising inzwischen quer durch Europa. In der Schweiz hat „Cup & More“ einen Partner gefunden. Dänemark und Holland sollen folgen.

Termin-Hinweis: Unternehmerforum Nordfriesland, 27. Februar, Anmeldung unter www.wfg-nf.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 17.Feb.2014 | 18:53 Uhr

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