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Stallpflicht für Geflügel : Vogelgrippe: Züchter bangen ums Weihnachtsgeschäft

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weihnachtsgans und Co. sind ein beliebtes Gericht in der Adventszeit. Doch dieses Jahr könnte die Vogelgrippe den Züchtern einen Strich durch die Rechnung machen.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2014 | 17:04 Uhr

Kiel | Nicht der organisatorische Aufwand, der mit einer Stallpflicht zum Schutz vor Vogelgrippe verbunden ist, treibt dem Vorsitzenden der schleswig-holsteinischen Geflügelzüchter, Hans-Peter Goldnick, die größten Sorgenfalten auf die Stirn. „Meine Angst besteht vor allem darin, dass der Verbraucher Furcht vor dem Fleischverzehr bekommt.“ Ausgerechnet kurz vor Weihnachten, der Hauptsaison für größeres Geflügel.

Bisher spreche alles dafür, dass bei Einhaltung der grundsätzlichen Regeln für Küchen-Hygiene und den Garvorgang keine Gefahr für den Menschen bestehe. Das betont nicht nur Goldnick. Ähnlich äußerte sich auch das Kieler Landwirtschaftsministerium unter Berufung auf das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Dass es aber auch mit einer Unterbringung jeglichen Geflügels unter Dach nicht so einfach ist, macht Jürgen Klingenhoff, Freimast-Züchter von rund 6000 Gänsen in Markerup bei Flensburg, deutlich: „Ich wüsste nicht, wo ich das machen sollte.“ Vorsorglich alle Tiere schon jetzt zu schlachten und als Tiefkühl-Ware anzubieten, würde ihn im Vergleich zu Frischware etwa ein Drittel des Umsatzes kosten.

Noch steht nicht fest, ob Markerup auch von einer Stallpflicht betroffen sein wird. Das Land und die Kreise haben dabei zunächst Gebiete an den Küsten und Binnengewässern im Blick. Denn die Sorge richtet sich nach dem Fund einer Wildente mit dem Virus H5N8 auf Rügen vor allem darauf, ob Wasservögel die Vogelgrippe übertragen können. Die weiteren Schritte werden auch davon abhängen, wie die für heute erwartete Risikobewertung durch das Friedrich-Löffler-Institut, dem obersten Speziallabor in Deutschland, ausfällt.

Hermann Hötker, Leiter des Michael-Otto-Instituts für Vogelforschung im Naturschutzbund (Nabu) in Bergenhusen, bezweifelt, dass eine Stallpflicht etwas bringt. „Alles spricht dafür, dass das Infektionsrisiko bei grundsätzlich im Stall gehaltenen Tieren liegt. Es ist sonst kaum vorstellbar, warum bei freilaufendem Geflügel das Virus noch nie aufgetaucht ist“ – wohl aber in jüngster Zeit in Großbetrieben in Mecklenburg, den Niederlanden und Großbritannien. Es sei kaum denkbar, wie der Erreger von Wildtieren in Ställe gelangt sein solle – umgekehrt aber durchaus: etwa durch Dung aus einem Stall, der draußen abgelagert und dem ein Wildvogel ausgesetzt gewesen sein könnte.

In Schleswig-Holstein hat die Geflügelwirtschaft untergeordnete Bedeutung. Es werden rund 4,65 Millionen Hühner, 62 000 Gänse, 43.700 Enten und 29.000 Puten gehalten. Die Zahl der Betriebe liegt laut Landwirtschaftskammer bei rund 2250.

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