Familienbetrieb : Visionäre für Urlaub auf dem Wasser

Das ist seine Welt: Hans Jaich ist nicht nur passionierter Segler, auch der wirtschaftliche Erfolg der Familie ist stark mit dem Wassersport verbunden.   Foto: Dewanger
Das ist seine Welt: Hans Jaich ist nicht nur passionierter Segler, auch der wirtschaftliche Erfolg der Familie ist stark mit dem Wassersport verbunden. Foto: Dewanger

In Arnis, der kleinsten Stadt Deutschlands, hat alles angefangen: Ein Familienunternehmen betreibt Yachthäfen zwischen Flensburg, Rügen und Bremerhaven.

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11. April 2012, 12:15 Uhr

Arnis | Hans Jaich sieht aus dem Fenster. Der Himmel ist bedeckt an diesem Morgen. Sein Blick ruht auf dem Bootssteg in Arnis. Von seinem Elternhaus hat man eine gute Sicht auf die Schlei. Die ersten Yachten und Boote liegen bereits im Wasser. Schaukeln sanft auf und ab. "Hier hat alles angefangen", sagt Hans Jaich. Dass es hier für ihn persönlich auch weitergehen sollte, das war für ihn allerdings nicht immer so klar, wie heute.
Arnis, das ist die Heimat seiner Familie. In Arnis, der kleinsten Stadt Deutschlands, hat sie ihren wirtschaftlichen Erfolg begründet und von dort aus ihre Unternehmen aufgebaut. Die Ostseedienst GmbH gehört dazu, ein Wasserbauunternehmen, dass sein Cousin leitet. Und die Firmengruppe "Im Jaich - Wasserwelten" gehört dazu. Sie hat in den vergangenen Jahren stark expandiert, betreibt inzwischen nicht nur neun Yachthäfen in Norddeutschland, sondern auch Hotels, Ferienwohnungen, Gastronomie, eine Segelschule.
Mit 21 hatte Jaich genug von der großen weiten Welt
Neben Standorten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gehört auch die Marina an den Havenwelten in Bremerhaven dazu. Die Unternehmensteile in Westdeutschland leitet Hans Jaich, die Unternehmensteile in Ostdeutschland sein Bruder Till. Die Firmengruppe "Im Jaich Wasserwelten" beschäftigt insgesamt rund 70 Mitarbeiter. Der Umsatz liegt zwischen fünf und sechs Millionen Euro im Jahr.
Das Fundament für all das hatte der inzwischen verstorbene Vater Ingo bereits Ende der 60er Jahre geschaffen. Der gebürtige Arnisser hatte mit 14 Jahren die Schule geschmissen und war zur See gefahren. Mit 21 hatte er sein Kapitänspatent - aber auch genug von der großen weiten Welt - und wurde Fährmann in seiner Heimatgemeinde. Nebenbei kaufte und verkaufte er Schiffe, schaffte erste Maschinen für sein Wasserbauunternehmen an. Die Dinge nahmen ihren Lauf.
Eigene Visionen umsetzen
"Mein Vater war Unternehmer durch und durch", sagt Jaich, "er wollte was schaffen". Und der Sohn? Der studierte in Hamburg und Schweden, wurde Diplom-Sozialökonom. Dann setzte er noch einen Master in Europawissenschaften drauf, mit längeren Aufenthalten in Liverpool und Wien. "Ich bin überzeugter Europäer, wollte einen kleinen Beitrag leisten, dass Europa noch stärker zusammenwächst", sagt Jaich.
Doch während eines Praktikums bei der Uno kommt die Ernüchterung. "Für mich war das nicht der richtige Ort." Das Gefühl, schnell etwas bewegen zu können, hat er dort nicht. Ganz anders, als zuhause. Zudem, so Jaich, habe er von seinem Vater gelernt, dass es beim Unternehmersein nicht darum gehe, "krampfhaft zu versuchen, aus Geld noch mehr Geld zu machen". Klar müsse man die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten, aber es gehe eben auch darum, eigene Visionen umzusetzen.
"Nur eines ist sicher, der konstante Wandel"
Das haben die Jaichs in den vergangenen Jahren unter anderem in Bremerhaven gemacht. Nachdem Werften und Fischereiwirtschaft dort keine große Zukunft mehr hatten, setzte die Stadt zunehmend auf Touristen, baute die touristische Struktur aus. Heute besitzt und betreibt die Familie dort nicht nur den Yachthafen, sondern auch eine Mietwohnanlage. Ein Hotel wird gerade gebaut. Und das ist noch nicht alles: In Lauterbach auf Rügen schuf Till Jaich eine "Wasserferienwelt", zu der unter anderem schwimmende Ferienhäuser und Suiten auf Pfahlbauten gehören.
"Es erhöht die Lebensqualität, ein Stück weit selbstbestimmt Projekte umsetzen zu dürfen", sagt Jaich. Auch wenn das natürlich immer mit einem gewissen Risiko verbunden sei. Andererseits: "Eine Absicherung jeglichen Risikos gibt es ohnehin nicht. Nichts ist von Dauer. Nur eines ist sicher, der konstante Wandel." Auch wenn das an diesem Morgen beim Blick auf den Bootssteg in Arnis an der Schlei gar nicht so scheinen mag.

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