Diskriminierung? : Viele Betriebe in SH bilden keine Migranten aus

Eher die Ausnahme: Auszubildende mit ausländischen Wurzeln sind in deutschen Unternehmen unterrepräsentiert.
Eher die Ausnahme: Auszubildende mit ausländischen Wurzeln sind in deutschen Unternehmen unterrepräsentiert.

Es gibt Vorbehalte wegen Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden. Doch nicht nur die Unternehmen sind Schuld.

shz.de von
22. Januar 2015, 20:00 Uhr

Kiel/Gütersloh | Jung und ohne Perspektive – Auszubildende mit ausländischen Wurzeln sind in deutschen Unternehmen unterrepräsentiert. Zu diesem Schluss kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Befragung der Bertelsmann-Stiftung. 58,9 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe gaben an, noch nie einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Lehrstelle gegeben zu haben.

In vielen Unternehmen gibt es offenbar Vorbehalte gegenüber diesen Bewerbern. 38 Prozent der Unternehmen begründeten ihre Antwort mit der Sorge vor Sprachbarrieren. Kulturelle Unterschiede fürchteten 14,7 Prozent. Die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Kiel zählte im Oktober des vergangenen Jahres 1540 Arbeitslose mit Migrationshintergrund im Alter von 15 und 25 Jahren. Die Zahl umfasst auch in Deutschland geborene Menschen, deren Eltern im Ausland zur Welt kamen. In der Arbeitslosen-Statistik speziell für Auszubildende sei das Kriterium „Migrationshintergrund“ nicht aufgeführt, erklärte BA-Sprecher Horst Schmitt. Dennoch würden Beratungsgespräche bestätigen: „Namen und Wohnort haben leider einen deutlichen Einfluss auf die Chance bei einer Bewerbung.“

Das spürt auch die türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein. „Die Lage hat sich verbessert, aber viele Menschen bestimmter Herkunftsländer werden immer noch diskriminiert“, sagte ihr Vorsitzender Cebel Küçükkaraca. Neben den Unternehmen sieht er aber auch Eltern in der Pflicht: „Es gibt ein Informationsdefizit über die Berufsmöglichkeiten in Deutschland.“

Auch das duale Ausbildungssystem sei in vielen Herkunftsländern und damit den Einwandererfamilien nicht bekannt, sagte Michael Fröhlich, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes UV-Nord. Dies sei eine mögliche Erklärung dafür, dass knapp 75 Prozent der betroffenen Betriebe in der Umfrage der Bertelsmann-Stiftung angaben, keine Bewerbung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bekommen zu haben. „Gerade für diese Jugendliche waren die Perspektiven selten so gut wie heute“, sagte Fröhlich und verweist auf den Fachkräftemangel. Viele Unternehmen würden hierzulande deshalb aktiv um Menschen mit ausländischen Wurzeln werben. Der UV-Nord plane in diesem Jahr Infoveranstaltungen unter anderem in Moscheen.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer appellierte mit Blick auf die Umfrage, das Potenzial junger Menschen mit Migrationshintergrund zu nutzen. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das größte Hemmnis ein Mangel an Offenheit der Ausbildungsbetriebe ist – wir werden für diesen Kulturwandel werben“, sagte er dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z).

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