Minijobs und Grundsicherung : Verdopplung seit 2005: Immer mehr Rentner in SH gehen arbeiten

Der Anteil der Arbeitnehmer im Rentenalter hat sich fast verdoppelt. Doch Senioren beziehen immer häufiger Grundsicherung.

shz.de von
30. Juli 2015, 06:30 Uhr

Kiel | Sie haben das Rentenalter erreicht und arbeiten dennoch weiter. Für immer mehr Menschen im Norden wird dies zur Regel. Zwischen 2005 und 2014 hat sich die Erwerbstätigenquote der Senioren in Schleswig-Holstein fast verdoppelt. Sie stieg von 3,4 auf 6,1 Prozent. Kaum irgendwo anders im Bundesgebiet ist der Anteil erwerbstätiger Senioren so hoch. Arbeiteten vor zehn Jahren noch 18.000 Menschen nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres zwischen Nord- und Ostsee weiter, so waren es im vergangenen Jahren bereits 41.000. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. Nur in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen ist die Erwerbstätigenquote der Älteren noch höher.

Die Wirtschaft in Schleswig-Holstein kann sich grundsätzlich über den Trend freuen, schließlich sichern sich Betriebe mit den älteren Mitarbeitern oftmals auch Fachwissen. „Häufig ist es so, dass sich die älteren Beschäftigten so fit und gesund fühlen, dass sie gerne erwerbstätig bleiben wollen“, sagt Sebastian Schulze, Geschäftsführer vom Unternehmensverband Nord (UVNord). Auch sei es so, dass die Ansprüche im Alter steigen würden. Arbeitnehmer würden sich somit Geld dazuverdienen, um das Alter noch besser zu genießen.

Schleswig-Holstein, wo inzwischen gut ein Viertel (24 Prozent) der Bevölkerung 65 Jahre oder mehr zählt, steht mit der Entwicklung nicht allein da, auch im Bundestrend wächst der Anteil erwerbstätiger Senioren. „Die Erwerbstätigenquote älterer Menschen hat sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt“, sagt Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, speziell mit Blick auf die Gruppe der 65- bis 69-Jährigen.

Die Gewerkschaft sieht die Entwicklung skeptisch. „Die wesentliche Ursache sehen wir vor allem in der sinkenden sozialen Absicherung älterer Menschen“, sagt der Arbeitsmarkt-Experte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord, Heiko Gröpler. „Schon jetzt erreicht der Durchschnittsrentner nach Abzügen nur eine Rente von rund 800 Euro monatlich.“ Gröpler verweist darauf, dass die über 65-Jährigen nur selten einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen. Stattdessen würden sich die meisten Senioren in Minijobs wiederfinden.

Tatsächlich stieg die Zahl der älteren Minijobber im Land zwischen 2004 und 2014 von 23.000 auf 35.000 an, während der sozialversicherungspflichtige Bereich nach DGB-Angaben zuletzt 7598 über 65-jährige Beschäftigte zählte. Zudem hat sich die Zahl der Ruheständler, die im Land auf Grundsicherung angewiesen sind, in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt – von 9913 Betroffenen im Jahr 2003 auf fast 19.000 im Jahr 2013.

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