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UKSH Kiel / Lübeck : Verdi ruft zu Streiks am Uni-Klinikum auf

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Im Tarifstreit am UKSH verleiht die Gewerkschaft Verdi ihren Forderungen Nachdruck. Trotz der angekündigten Streiks soll es am Dienstag in Kiel und Lübeck kaum Einschränkungen für Patienten geben.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2014 | 11:42 Uhr

Kiel|Lübeck | Unter dem Motto „Wir schäumen vor Wut“ hat die Gewerkschaft Verdi für Dienstag zu eintägigen Streiks am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) aufgerufen. Betroffen sind von den Früh- bis zu den Spätschichten die beiden Standorte in Kiel und Lübeck. 6000 nichtwissenschaftliche Mitarbeiter sind aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. „Für Notdienste ist gesorgt, kein Patient wird unter einem Verdi-Streik gesundheitlich leiden“, sagte Gewerkschaftssprecher Frank Schischefsky am Dienstag.

Ob allerdings sämtliche geplanten Operationen, die nicht lebensgefährlich sind, auch tatsächlich gemacht werden, könne er nicht sagen. Patienten sollten sich sicherheitshalber beim UKSH erkundigen, riet der Verdi-Sprecher. UKSH-Sprecher Oliver Grieve sagte, „wir hoffen, dass es keine Einschränkungen gibt“.

Verdi plant am Dienstag keine Streikposten vor UKSH-Einrichtungen oder Abteilungen. Dies' müssten die Arbeitnehmer individuell entscheiden. Vor dem Gewerkschaftshaus in Kiel sollen sich am Vormittag (gegen 10 Uhr) die Streikenden sammeln, dann ist ein Protestzug zum Landeshaus geplant. Verdi erwartet einige hundert Teilnehmer.

Hintergrund des Arbeitskampfes ist der Tarifstreit, der vergangene Woche eskalierte. UKSH und Landesregierung hatten angekündigt, das Klinikum in die Tarifgemeinschaft der Länder zurückzuholen - Vollzug soll bereits an diesem Donnerstag sein. Dann würde nach Auffassung des federführenden Finanzministeriums Friedenspflicht herrschen; Streiks wären nicht mehr erlaubt.

Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte am Montag, Finanz-Staatssekretär Thomas Losse-Müller, der stellvertretender Vorsitzender des UKSH-Aufsichtsrates ist, habe am 24. Juli zwei Gewerkschaftsvertreter telefonisch informiert. Schischefsky hielt dem Finanzministerium vor, sich in die Tarifautonomie einzumischen.

Tarifpartner sei der Vorstand des UKSH. Im übrigen liege der Gewerkschaft bislang nichts Schriftliches vor.Die Gewerkschaft fordert höhere Löhne als im Tarifvertrag der Länder vorgesehen und die Aufnahme des UKSH in den besseren Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) von Bund und Kommunen. Dazu gehören drei Prozent mehr Gehalt, mehr Geld für Azubis und eine mehrjährige Beschäftigungssicherung für bedrohte Bereiche. Die Verhandlungen für die rund 6000 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter, die bisher einen Haustarif hatten, scheiterten im Juli.„Scheinverhandlungen, Tarifdiktat, Einmischung in die Tarifautonomie durch die Regierung Torsten Albig (SPD) sind Gründe genug, auch in der Sommerpause vor das Landeshaus zu ziehen“, sagte Schischefsky. Dies sei nur das erste Ventil, um der Empörung Luft zu machen.

Die bereits vor dem Schachzug der Landesregierung gestartete Urabstimmung hatte eine Zustimmung von knapp 96 Prozent für einen Streik ergeben. Unabhängig von der rechtlichen Frage, ob Friedenspflicht von Donnerstag an bestehe oder nicht, würden die Verdi-Forderungen spätestens bei der nächsten Tarifrunde Anfang 2015 wieder auf den Tisch kommen, sagte Schischefsky.

UKSH-Sprecher Grieve sagte, „das Absurde dieses Streiks ist, dass Verdi gegen einen von der Gewerkschaft selber ausgehandelten Tarifvertrag streikt“. Mit dem Streik wolle Verdi dem UKSH nur wirtschaftlich schaden, „das halten wir für fahrlässig“.Das UKSH ist hoch defizitär. Über Jahre diskutierte die Politik über eine Privatisierung, die laut Landesregierung nun vom Tisch ist.

Mit Übernahme des Flächentarifvertrags der Länder bekämen die UKSH-Angestellten laut Finanzministerium rückwirkend zum 1. Juli durchschnittlich 1,86 Prozent mehr Geld und einen Urlaubstag mehr. Künftige Tarifabschlüsse der Länder würden automatisch übernommen.

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