zur Navigation springen

Bilanz 2015 : Verdi in Hamburg: Gewerkschaft bei Arbeitnehmern in Digitalbranche beliebt

vom
Aus der Onlineredaktion

5200 neue Mitglieder in einem Jahr - das sind so viele wie lange nicht. Doch Rentner können sich die Mitgliedschaft oft nicht mehr leisten.

Hamburg | Der Gewerkschaft Verdi in Hamburg haben sich mit 5200 neuen Mitgliedern 2015 so viele Arbeitnehmer wie lange nicht in einem Jahr angeschlossen. Dennoch bleibt unterm Strich zum Jahresschluss ein leichter Rückgang von 0,86 Prozent auf 91.000 Mitglieder. Ältere, die mit dem Bezug ihrer Rente mit jedem Cent rechnen müssten, kündigten ihre Mitgliedschaft, erläuterte Verdi-Landesbezirksleiter Berthold Bose am Montag in Hamburg.

Dagegen verzeichnete Verdi 2015 im Jugendbereich bis 28 Jahre mit einem Zuwachs von mehr als zwei Prozent verglichen mit dem Vorjahr sogar einen überproportionalen Zugang, wie der Landeschef berichtete. Neue Mitglieder seien aus allen Branchen gekommen, vor allem aber aus dem Sozial- und Erziehungsdienst und den Medien. 2015 haben unter anderen rund 3500 Erzieherinnen und Beschäftigte aus Sozialeinrichtungen mehr als vier Wochen lang für mehr Lohn und Anerkennung ihrer Arbeit gestreikt. „Das ist ein deutliches Signal, dass die Gewerkschaft gebraucht und gesucht wird“, sagte Bose.

Verdi schloss 2015 in Hamburg 60 Tarifverträge ab. Insgesamt hätten 350.000 Beschäftigte mehr Lohn und Gehalt sowie Zusatzleistungen erhalten, berichtete Bose. „Wir haben ein unglaublich ereignisreiches und intensives Jahr hinter uns.“ 2016 werde es Tarifrunden unter anderem für die Beschäftigten der städtischen Betriebe und des Bundes, der Hamburger Hochbahn, der Bodenverkehrsdienste am Flughafen sowie mit dem Krankenhausarbeitgeberverband (Asklepios, UKE) geben. Außerdem wollen sich die Arbeitnehmervertreter gegen Armut nach dem Erwerbsleben, gegen befristete Arbeitsverhältnisse und für die berufliche Qualifizierung von Flüchtlingen einsetzen.

Aber auch die Verdi-Rechtsberatung dürfte gefragt bleiben. In 8000 Fällen wie Abmahnungen oder Kündigungen sei Verdi 2015 rechtlich aktiv gewesen, eine steigende Zahl, sagte der Verdi-Chef. „Die Bandagen von Arbeitgebern gegen Beschäftigte werden härter angezogen.“ Ihm stößt besonders auf, dass einzelne Arbeitgeber die Sozialpartnerschaft im Betrieb „massiv behindern“.

So sei beim Hamburger Online-Spiele-Anbieter Goodgame 14 Beschäftigten, die eine Betriebsratswahl vorbereitet hätten, gekündigt worden - „mit fadenscheinigsten Gründen“, ergänzte Bose. Für die Betroffenen wurden Kündigungsschutzklagen eingereicht und für die mehr als 1000 Mitarbeiter für Januar eine Betriebsversammlung zur Wahl eines Wahlvorstands anberaumt.

„Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Wir werden mit aller Entschiedenheit dagegenhalten“, kündigte Bose an. Auch aus anderen Dienstleistungsfirmen, geprägt von Digitalisierung und digitaler Technik, kämen junge Beschäftigte auf Verdi zu. Nach der Starteuphorie am Arbeitsplatz träten mehr Mitsprache bei den Arbeitsbedingungen und sicherere Arbeitsplätze ins Bewusstsein, berichtete Bose. „Das ist wie vor Jahren bei den Call-Centern.“

 

zur Startseite

von
erstellt am 28.Dez.2015 | 15:24 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen