Schwelbrand in AKW : Vattenfall rechnet nicht mit Konsequenzen

Der Schwelbrand im Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg hat nach Ansicht des Betreibers Vattenfall Europe keine Konsequenzen für den Weiterbetrieb des umstrittenen Atommeilers. Nach bisherigem Stand falle der Schwelbrand noch nicht einmal in die Kategorie meldepflichtiges Ereignis, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek.

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07. Juli 2008, 09:24 Uhr

In Abstimmung mit der Atomaufsicht werde der Zwischenfall nun gründlich untersucht. Von dem Brand am Montag sei nur die Klimaanlage in einem Technikraum außerhalb des Nuklearbereichs betroffen gewesen. Verzögerungen beim Wiederanfahren des derzeit abgeschalteten Reaktors seien deshalb nicht zu erwarten. Laut der für die Reaktorsicherheit zuständigen schleswig- holsteinischen Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) will Vattenfall das AKW Krümmel Mitte Mai wieder anfahren.
Das ebenfalls nach der Pannenserie im Sommer 2007 abgeschaltete Kraftwerk in Brunsbüttel soll demnach nicht vor Ende März wieder ans Netz gehen. Ministerin Trauernicht wollte diesen Zeitplan am Dienstag nach dem erneuten Zwischenfall nicht bestätigen. "Die von Vattenfall genannten möglichen Wiederanfahrtermine für die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel Mitte Mai und Ende März können nach derzeitiger Lage von der Atomaufsicht nicht bestätigt werden", sagte die Politikerin. Banek verwies darauf, dass voraussichtlich bis zu den genannten Daten technische Dinge in den Kraftwerken abzuarbeiten seien, definitive Wiederanfahrtermine gebe es aber noch nicht.
Technischer Defekt als Ursache für den Schwelbrand
Nach Erkenntnissen von Betreiber Vattenfall entstand der jüngste Brand in Krümmel durch einen technischen Defekt. In dem Technikraum befinden sich Computer und Messgeräte, die die Abluft des Kraftwerks kontrollieren. "Wie jeder Technikraum muss dieser durch Klimaanlagen gekühlt werden", erklärte Banek. An einer der zwei Klimaanlagen in dem Raum schaltete sich ein Erhitzer nicht ab. Eine Filtermatte in der Lüftungsanlage wurde so stark erwärmt, dass dadurch der Schwelbrand ausgelöst wurde.
Eine Gefahr habe laut Banek nicht bestanden, Radioaktivität sei nicht ausgetreten. Die Reparatur und der Austausch der Filtermatte seien schnell zu bewerkstelligen. Selbst wenn beide Klimaanlagen in dem Raum länger ausfielen, müsste das AKW - wenn es in Betrieb ist - erst nach einer Woche abgeschaltet werden. "Daran sieht man, dass die Bedeutung der Lüftungsanlage für den Betrieb des Kraftwerks sehr begrenzt ist."
Am 28. Juni 2007 hatte ein Feuer in einem Trafogebäude auf dem Gelände des AKW Krümmel zum automatischen Herunterfahren des Meilers geführt. Am gleichen Tag wurde auch das zweite von Vattenfall in Schleswig-Holstein betriebene AKW in Brunsbüttel aufgrund einer Pannenserie abgeschaltet. Beide Kraftwerke liefern seitdem keinen Strom mehr. Grund sind nach Angaben von Sozialministerin Trauernicht anhaltende technische Probleme. Jeder Tag Stillstand der zwei Meiler kostet Vattenfall zusammen eine Million Euro.

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