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Urlaubsbranche fürchtet Folgen des Bahnstreiks

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spediteure und Fernbuslinien profitieren vom Arbeitskampf

Bis zu 50 Stunden soll Deutschlands Bahnverkehr stillstehen – vier mal länger als beim letzten Streik der Lokführer. Auch ein neues Angebot des Bahn-Konzerns brachte gestern keine Einigung im Tarifstreit mit der Gewerkschaft der Lokführer (GdL). Für Norddeutschlands Straßen könnte der Ausstand zur Belastungsprobe werden.

Massive Kritik an der Strategie der GdL kommt von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Er habe das Gefühl, „dass das Augenmaß verloren geht“. Meyer sagte: „Man muss der Gewerkschaft deutlich machen: Wenn man Akzeptanz für seine Forderungen haben will, gehört auch ein entsprechendes Verhalten dazu. Viele Kunden werden am Wochenende mit Sicherheit kein Verständnis mehr haben.“ Wenn die Konkurrenz zwischen Gewerkschaften für derart weitgehende Streikaufrufe genutzt werde, sei das „kontraproduktiv“. Das Bundesarbeitsministerium müsse grundsätzlich eine Regelung finden, die im Arbeitskampf dem Mehrheitsprinzip Geltung verschaffe.

Die Fremdenverkehrs-Branche im Norden befürchtet angesichts des Streiks Umsatzeinbußen. „Grundsätzlich ist eine schnelle und stressfreie Erreichbarkeit von Urlaubsorten ein zentraler Erfolgsfaktor“, sagt Andrea Gastager, Geschäftsführerin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash). „Bedauerlich ist, dass der Streik gerade auf ein Wochenende fällt, an dem in sieben Bundesländern die Herbstferien beginnen. Dadurch sind von dem Streik nicht nur die Tages- und Wochenendausflüger betroffen.“ Beim Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT) verweist man zudem auf die außergewöhnlich gute Wetterprognose für den morgigen Sonntag. Fahren dann keine Züge, koste das die Küste potenzielle Einnahmen, so Sprecherin Juliane König. An der Westküste hingegen tröstet man sich, dass dort nur der Fernverkehr betroffen ist. Die Züge der privaten Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg und Sylt werden nicht bestreikt. Rund zehn Prozent der Übernachtungsgäste Schleswig-Holsteins reisen per Bahn.

Vom Streik betroffen sind auch viele Zuschauer der größeren Fußballspiele am Wochenende. Für die mehreren tausend schleswig-holsteinischen HSV-Fans, die heute bei der Partie gegen Hoffenheim dabei sein wollen, wird die Anreise zur Nervenprobe. „Wir müssen improvisieren“, ärgert sich Sven Harbs, 2. Vorsitzender des HSV-Fanclubs Osterrönfeld. Er will heute mit 16 Leuten ins Stadion. „Im Zug herrscht bei der Anfahrt bessere Stimmung als im Auto, schon weil man da auf viele andere Fans trifft.“ Gerade diesmal wäre ihm das besonders wichtig gewesen, weil zur Gruppe sieben Kinder gehören. „Und die genießen sowas ganz besonders.“ Nun wollen die Osterrönfelder zwei Kleinbusse organisieren, von denen sie einen extra anmieten müssen.

Doch es gibt auch Profiteure des Streiks. Weil der Güterverkehr auf der Schiene seit gestern Nachmittag still steht, müssen Unternehmen ihre Waren auf die Straße umlenken. „Die Ware sucht sich ihren Weg“, so Thomas Rackow vom Logistikverband Schleswig-Holstein. „Der Güterverkehr ist in der Lage das aufzufangen“, erwartet er, wenngleich die Kapazitäten eng seien. Ein Plus von zehn Prozent bei Lastwagen-Transporten erwartet Rackow. Laut Bahn könnte jeder zweite Güterzug im Norden ausfallen. Freuen können sich auch die Fernbuslinien. „Wir erleben einen regelrechten Ansturm auf unsere Internetseite“, sagt eine Sprecherin beim Anbieter „Mein Fernbus“, der Linien nach Lübeck, Neumünster und Kiel unterhält. Die Zahl der Buchungen sei dreimal so hoch wie sonst.

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erstellt am 17.Okt.2014 | 18:55 Uhr

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