Unwetterschäden verhageln der Provinzial die Bilanz

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Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
26. Juni 2014, 12:54 Uhr

Ganz an das Rekordergebnis des Vorjahres reichten die Zahlen dann doch nicht heran, die Ulrich Rüther (Foto) gestern zu seinem Abschied verkündete. Der Versicherer Provinzial Nordwest hat infolge von Unwetterschäden in Rekordhöhe einen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Konzernüberschuss nahm 2013 um 4,4 Prozent auf 130 Millionen Euro ab. Die Beitragseinnahmen stiegen hingegen um 6,7 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Euro, teilte der scheidende Vorstandschef des zweitgrößten Versicherers der Sparkassen-Finanzgruppe gestern in Münster mit.

Die guten Zahlen des Unternehmens waren in den vergangenen Monaten immer wieder in den Hintergrund geraten, stattdessen hatte die Personalie Rüther die Schlagzeilen beherrscht. Zu den Hintergründen, warum er den Konzern mit Sitzen in Münster und Kiel zum Jahresende verlassen wird, äußerte sich Rüther erstmals vage: „Bei den Punkten Kosten und Digitalisierung des Geschäfts wird ja immer wieder der Eindruck erweckt, dass wir da weiter sein müssten. Ich sehe das allerdings anders“, sagte Rüther auf Nachfrage.

Die Versicherungsbranche steht wegen der Niedrigzinsphase unter Druck. Die Gesellschafter hatten dem Provinzial-Management deshalb einen strikten Sparkurs und Strukturveränderungen verordnet.

Rüther stand der Provinzial Nordwest seit 2009 vor. Für Schlagzeilen sorgte er vor zwei Jahren während des Übernahmeversuchs der Unternehmensgruppe durch die Allianz, als er einen Angriff auf sich selbst vortäuschte. Dieser Vorfall soll ihm zufolge nun allerdings keine Rolle für seinen Weggang gespielt haben.

2013 war ein erneuter Fusionsanlauf mit dem Schwester-Unternehmen Provinzial Rheinland an unterschiedlichen Auffassungen der Eigentümer gescheitert. Die Provinzial Nordwest gehört zu je 40 Prozent dem Sparkassenverband Westfalen-Lippe und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Kleinere Anteilseigner sind die außerdem Sparkassen in Ostdeutschland und Schleswig-Holstein.

Wie im Jahr zuvor können die Eigentümer auch für 2013 mit rund 70 Millionen Euro Ausschüttung rechnen. Die höchste Schadensbelastung nach Unwettern in der Geschichte des Unternehmens hat die Bilanz 2013 belastet. Die Schadenssumme stieg um 14,7 Prozent auf fast 1,3 Milliarden Euro an. Die Orkantiefs „Xaver“ und „Christian“ richteten bei den Provinzial-Kunden große Hagel-Schäden an. „Wir konnte das aber durch unsere Rückversicherungen auffangen“, so Rüther.

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