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Fachkräftemangel in SH : Unternehmen setzen auf ältere Arbeitnehmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Fachkräftemangel lässt Firmen umdenken: „Silver Worker“ sind inzwischen für die Wirtschaft unverzichtbar – auch in SH.

Kiel | Wurden ältere Mitarbeiter früher oft schon ab Mitte 50 möglichst zügig in Pension geschickt, so sind die sogenannten Silver Worker inzwischen für die Wirtschaft unverzichtbar. Auch die Unternehmen in Schleswig-Holstein werden zunehmend von älteren Beschäftigten geprägt. Das schlägt sich in konkreten Zahlen nieder. Aktuell sind zwischen Nord- und Ostsee neun Prozent mehr über Sechzigjährige berufstätig – insgesamt 56.000 – als im Vorjahr. Das berichtigt die Techniker Krankenkasse TK und beruft sich auf neue Statistiken der Bundesagentur für Arbeit.

„Die Altersstruktur in den Belegschaften ändert sich kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Arbeitnehmer ab 60 Jahren fast verdoppelt“, sagte Johann Brunkhorst, Chef der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Der Anteil an den Beschäftigten insgesamt ist in dieser Zeit von 3,9 auf 6,4 Prozent gestiegen. Gründe dafür gibt es mehrere. Einer davon: Die rentenpolitischen Reformen der Vergangenheit haben einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben unattraktiver gemacht. Spätestens mit dem Auslaufen der öffentlichen Förderung der Altersteilzeit haben Vorruhestandsregelungen auch für Arbeitgeber an Attraktivität verloren.

Fachkräftemangel lässt Firmen umdenken

Diese sind aber ohnehin zum Umdenken gezwungen. Denn der Fachkräftemangel erhöht das Interesse der Unternehmen, bewährte ältere Fachkräfte länger zu halten. Ein Trend, der sich in Zukunft noch verstärken wird, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge ihre Berufs- oder Hochschulausbildung abschließen, während sich die geburtenstarken Babyboomer als Beschäftigtengeneration „50 plus“ dem Renteneintritt nähern.

Wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK zeigt, sind die „Silver Worker“ motiviert und leistungsbereit. „Die Beschäftigten der Generation ‚60 plus‘ fühlen sich durch die Arbeit deutlich weniger belastet als ihre jüngeren Kollegen, obwohl sie mehr arbeiten“, so Brunkhorst. Während von den älteren Beschäftigten nur rund 40 Prozent angaben, sich durch die Arbeit gestresst zu fühlen, waren es bei den Beschäftigen unter 35 Jahren immerhin 70 Prozent. Jeder sechste ältere Arbeitnehmer kommt auf eine Wochenarbeitszeit von 51 Stunden und mehr, bei den jüngeren ist das nur bei jedem zehnten der Fall. „Die zunehmende Lebens- und Berufserfahrung führt oftmals dazu, dass die Arbeitsbelastung und Informationsflut besser verarbeitet werden können“, so der Kieler TK-Chef. „Das macht ältere Beschäftigte in vielen Unternehmen zu wertvollen Mitarbeitern.“

Die Gewerkschaften sehen das nicht so rosig. „Die Beschäftigungsquote der Generation ‚60 plus‘ liegt bei nur 30 Prozent“, betont DBG-Nord-Chef Uwe Polkaehn. In vielen Firmen fehlen noch altersgerechte Arbeitsplätze und ausreichender Gesundheitsschutz.“ 52 Prozent der Beschäftigten gaben in einer DBG-Umfrage an, „sehr häufig“ oder „oft“ gehetzt arbeiten zu müssen. Nur 42 Prozent gehen davon aus, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten.  

Länger krank im Alter
Ältere Beschäftigte reagieren auch gesundheitlich anders auf die Belastungen der Arbeitswelt  als jüngere. Sie sind seltener, dafür aber länger krank. Je Krankschreibung fehlt  ein über 60-Jähriger  im Schnitt rund 23 Tage und damit viermal so lange wie ein Kollege unter 20. Dies liegt daran, dass mit dem Alter schwere und damit langwierige Erkrankungen zunehmen. Dagegen sind jüngere Arbeitnehmer häufiger krankgeschrieben. Beschäftigte unter 20 Jahren fehlen im Schnitt zweimal pro Jahr, zwischen 60 und 64 ist es gerade mal eine Krankschreibung jährlich.
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erstellt am 21.01.2014 | 12:15 Uhr

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