„Erhebliche Managementfehler“ : Uniklinik: Streit um Rekorddefizit

2010 hat das UKSH noch eine schwarze Null im Visier gehabt, inzwischen sei das Defizit auf fast 40 Millionen Euro angewachsen.
Insgesamt entgehen Schleswig-Holsteins Krankenhäusern jährlich 33 Millionen Euro, weil sie nicht so gut bezahlt werden wie der Durchschnitt aller Kliniken.

Wegen des mit 38 Millionen Euro größten Defizits in der Geschichte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) fordert die Gewerkschaft Verdi den Rücktritt des Klinik-Vorstands.

shz.de von
19. Dezember 2013, 19:36 Uhr

Kiel | Das neue Rekorddefizit des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) sorgt nicht nur für ein politisches Beben, sondern auch für Unruhe bei den rund 10.000 Beschäftigten. Gestern forderte die Gewerkschaft Verdi den Rücktritt des Klinik-Vorstandes. 2010 habe das UKSH noch eine schwarze Null im Visier gehabt, inzwischen sei das Defizit auf fast 40 Millionen Euro angewachsen. „Das ist das Defizit des Vorstandes und nicht der Beschäftigten“, erklärte Verdi-Sprecher Steffen Kühhirt. Der Vorstand müsse für „erhebliche Managementfehler“ die Verantwortung übernehmen. Der Vertrauensverlust sei nicht mehr zu beheben.

Streitpunkt ist vorrangig der Plan, Klinikmitarbeiter künftig nach dem Flächentarifvertrag für den öffentlichen Dienst zu besolden. Derzeit gilt ein Haustarif, der im Frühjahr neu verhandelt wird und für den Kühhirt bereits einen „kräftigen Lohnzuschlag und mehr Urlaub“ fordert. Sanierungsopfer habe das Personal ihm zufolge im vergangenen Jahrzehnt genug erbracht. Notfalls wolle man sogar die Klinikstandorte Kiel und Lübeck bestreiken.

Auch Pläne der Regierung, die maroden Klinikgebäude einem Baukonsortium zu überlassen, das sie saniert und anschließend ans Land für geschätzte 42 Millionen Euro pro Jahr zurückvermietet, seien wegen des Defizits hinfällig. „Das Verfahren muss sofort gestoppt und beendet werden. Es droht ein Finanzfiasko von mehreren hundert Millionen Euro für das Land und die Steuerzahler“, so die Gewerkschaft.

Der Sprecher der UKSH wies Rücktrittsforderungen und Investitionsstopp als irrational zurück. „Wir drehen jeden Stein um, um zu sparen, auf der anderen Seite muss aber auch die Versorgung gesichert sein“, sagte Oliver Grieve. Wer die Sanierung des Klinikums auf die lange Bank schiebe, „erweist Mitarbeitern und Patienten einen Bärendienst“.

Das Ministerium hält am Vorstand fest, verweist auf ein Bündel von Maßnahmen, um aus den roten Zahlen zu kommen, und setzt auf den Bund. Der soll allen defizitären Unikliniken einen Systemzuschlag für besonders schwere Fälle gewähren. Zudem erhofft man sich 10 Millionen Euro aus der Angleichung der Basisfallwerte, die Berlin für 2016 angekündigt hat. Staatssekretär Rolf Fischer kündigte zudem die „kritische Prüfung der Gehaltsstruktur vom Chefarzt über tarifliche bis zu außertariflichen Einkommen“ an. Schon im Haushalt 2015 werde sich das positiv niederschlagen.

Während FDP und CDU die Schuld für das Defizit bei der parteilosen Bildungsministerin Waltraud Wende sehen, halten Mitglieder der Regierungsfraktionen der Opposition vor, sie habe die strukturelle Schieflage des UKSH zu schwarz-gelben Regierungszeiten verschleiert – vor allem indem Probleme in Tochterfirmen ausgelagert wurden.  
 

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