Streit um DRK-Krankenschwestern : UKSH hält an Kündigungen fest

Das UKSH verlängert die Verträge mit dem Deutschen Roten Kreuz nicht.
Eine Lösung zwischen dem UKSH und den DRK-Schwestern wird noch gesucht.

„Wir sind schockiert“: Im Streit um 1000 Krankenschwestern, Pfleger und Auszubildende an der Uni-Klinik gibt es keine Einigung.

shz.de von
09. Januar 2015, 08:45 Uhr

Lübeck | Das Spitzengespräch zwischen der Leitung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und den Schwesternschaften des Deutschen Roten Kreuzes ist am Donnerstagabend gescheitert. „Wir sind schockiert“, sagte die Vorsitzende der Kieler Schwesternschaften, Maria Lüdeke, nach dem Treffen in Lübeck. Es geht um 1000 Krankenschwestern, Pfleger und Auszubildende. Das UKSH habe auf seiner Kündigung der Verträge mit den Vereinen, die die Kräfte dem UKSH zur Verfügung stellen, beharrt, sagte Lüdeke.

Sollte es dabei bleiben, würde eine etwa 100 Jahre lange Zusammenarbeit zu Ende gehen. Bisher sind die Schwestern Mitglieder in den Vereinen des Deutschen Roten Kreuzes und werden von ihnen bezahlt. Das UKSH will die Schwestern direkt selber anstellen, dadurch Mehrkosten sparen und leichteren Zugriff auf das Personal haben. Ein Stellenabbau ist laut UKSH nicht geplant.

Im Gegensatz zu Lüdeke wertete das UKSH das Treffen in einer schriftlichen Stellungnahme als „konstruktives Gespräch“. Die Kündigungen waren bereits im November zum Jahresende 2015 ausgesprochen worden. „Der Schritt der Kündigung der Gestellungsverträge ist uns aufgrund der langjährigen Kooperation nicht leicht gefallen“, betonte Prof. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH. „Die DRK-Pflegekräfte leisten Hand in Hand mit den Pflegekräften des UKSH eine hervorragende Arbeit. Heute konnten wir in einem vertrauensvollen Gespräch mit den Oberinnen der Schwesternschaften unsere Gründe erläutern.“ Lüdeke äußerte die Befürchtung, am Ende werde es nur Verlierer geben. „Die Situation der Pflege insgesamt wird sich verschärfen.“

„Die Schwestern in den DRK-Vereinen wollten weiterhin am UKSH arbeiten, aber weiterhin als Mitglieder der Vereine“, sagte Lüdeke. „Sonst würden wir ja gar nicht um einen Neuabschluss ringen.“ Die Existenz der DRK-Schwesternschaften, die auch selber soziale Einrichtungen unterhielten, sei bedroht. Sie wies erneut die Darstellung des UKSH zurück, die Kooperation mit den Vereinen wäre teurer als eine direkte Anstellung der Schwestern beim Uni-Klinikum. Lüdeke sagte, noch sei die Hoffnung auf eine Verlängerung der Kooperation nicht vollends geschwunden. Das UKSH betonte, den respektvollen Umgang mit den Schwesternschaften beizubehalten und die Voraussetzungen für ein gemeinsam abgestimmtes und sozial verträgliches Bewerbungsverfahren bis zum 21. Februar 2015 schaffen. „In einem weiteren Gespräch sollen die nächsten Schritte verabredet werden, nachdem sich die Oberinnen in der kommenden Woche mit ihren Mitgliedern abgestimmt haben.“

Die oppositionelle CDU forderte die Landesregierung von SPD, Grünen und SSW auf, über den Aufsichtsrat auf „eine vernünftige und tragfähige Lösung“ zwischen dem UKSH und den DRK-Schwestern hinzuarbeiten. „Wenn die einseitige Beendigung einer hundertjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit zum Segen der Patienten zu derartigen öffentlichen Auseinandersetzungen und widersprüchlichen Darstellungen über die Hintergründe führt, dann ist ganz offensichtlich etwas falsch gelaufen“, kritisierte die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katja Rathje-Hoffmann, am Donnerstag.

Schleswig-Holsteins ehemaliger Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) sagte nach einer Mitteilung der DRK-Vereine: „Dass das UKSH in Zeiten des Pflegenotstands die Zusammenarbeit mit der DRK Schwesternschaft aufkündigt, ist für mich absolut nicht nachzuvollziehen und eine offensichtlich falsche Entscheidung.“ DRK-Präsident Rudolf Seiters warnte vor einem großen Verlust für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Norden.

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