Immobilienkonzern Vonovia : Übernahme geplant: Sorge bei rund 250 Buwog-Mitarbeitern in SH

Vonovia ist Deutschlands größter Immobilienkonzern.
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Vonovia ist Deutschlands größter Immobilienkonzern.

17.000 Wohnungen in Schleswig-Holstein würden in den Bestand der Vonovia übergehen. Der DGB ist alarmiert, denn der Vermieter ist umstritten.

shz.de von
16. Januar 2018, 18:22 Uhr

Kiel/Bochum | Viele Mitarbeiter der Buwog AG bangen derzeit um ihren Job – auch in Kiel und Lübeck. Der Grund: Der deutschlandweit größte Wohnungskonzern – Vonovia SE mit Hauptverwaltung in Bochum – will das deutsch-österreichische Wohnimmobilienunternehmen im Zuge eines Aktientauschs übernehmen. Und das könnte das Aus für die Nordstandorte bedeuten. Denn Vonovia setze bisher stets auf Zentralisierung.

In Schleswig-Holstein verwaltet die Buwog AG 17.000 Wohnungen im ganzen Land. Der Bestand von Vonovia würde im Norden damit auf 36.000 Einheiten anwachsen. Deutschlandweit wären rund 49.000 Mieter betroffen.

„Alle Dienstleistungen, die zentral gemacht werden können, werden auch von Bochum aus gemacht“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende der Buwog, Jörg Seiffert, die Bedenken vieler Angestellter gegenüber shz.de. Bisher habe man über das Thema nicht mit Vonovia gesprochen, so Seiffert weiter. „Das muss also so nicht passieren, aber so haben sie bisher gearbeitet.“

In Schleswig-Holstein könnten davon bis zu 250 Mitarbeiter betroffen sein – in Kiel, Lübeck sowie an mehreren kleineren Standorten im Land. Auch rund 120 Handwerksbetriebe, die derzeit Rahmenverträge mit der Buwog AG haben, könnten einen Wechsel der Mehrheitsverhältnisse zu spüren bekommen. Denn Vonovia beschäftigt unternehmenseigene Handwerksorganisationen etwa für Instandhaltungen und Reparaturen. 

Noch ist die Übernahme nicht perfekt, gilt aber als wahrscheinlich. Aufsichtsrat und Vorstand der Buwog Group unterstützen die Pläne und haben bereits angekündigt, ihre Anteile zu verkaufen. In einer Grundsatzvereinbarung beider Konzerne wurde festgelegt, dass die Aktionäre 29,05 Euro je Aktie erhalten sollen. Die Buwog AG wird damit mit 5,2 Milliarden Euro bewertet.

Mitarbeiter fühlen sich verraten

Für Vonovia sei vor allem die Stärke von Buwog im Neubaugeschäft interessant, betont Buwog-Pressesprecher Michael Divé. Daniel Riedl, Vorstandsvorsitzender der Buwog AG sehe einen strategischen Vorteil für beide Unternehmen und sagte schon im Dezember: „Vorbehaltlich der rechtlichen und inhaltlichen Prüfung der Angebotsunterlage werden wir daher unseren Aktionären empfehlen, das Angebot anzunehmen.“ Riedl selbst würde nach einer Übernahme im Vorstand von Vonovia die Verantwortung für das österreichische Geschäft sowie das gesamte Development-Geschäft übernehmen.

Am 5. Februar soll das Angebot offiziell an die Aktionäre rausgehen. Dann wird sich zeigen, wie viele Aktien den Besitzer wechseln und auch wie es gegebenenfalls mit dem Unternehmen und vor allen seinen Mitarbeitern weitergeht.

Viele fühlen sich jedenfalls vom Vorstand verraten, ist aus Mitarbeiterkreisen zu hören. Man sei nach dem Einstieg der Buwog im Norden auf eine gemeinsame Zukunft eingeschworen worden und habe einen großen Beitrag zur guten Entwicklung des Unternehmens beigetragen. Auch ohne Vonovia habe sich der Kurs verdoppelt. Noch hoffe man deshalb, dass die Aktionäre sich mehrheitlich gegen einen Verkauf entscheiden – so wie 2016 geschehen bei der gescheiterten Übernahme von Deutsche Wohnen durch die Vonovia.

DGB fordert: Politik muss einschreiten

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Kiel Region ist alarmiert. „Die Verunsicherung bei den Mietern und den Beschäftigten ist enorm. Und zwar zurecht“, so der Vorsitzende Frank Hornschu, der auch eine weitere Konzentration auf dem Wohnungsmarkt kritisch betrachte. Immer wieder sei zudem über katastrophale Zustände in Vonovia-Wohnungen und beim Mieter-Service berichtet worden.



Auch in sozialen Netzwerken und Bewertungsforen häufen sich Beschwerden.

Hornschu fordert daher die Politik auf, einzuschreiten. „Wir sehen die Landes- und Kommunalpolitik mit in der Verpflichtung den Mietern und Beschäftigten beizustehen und für Sicherheit zu sorgen. Wohnen ist ein elementares Grundrecht, welches nicht allein dem Markt überlassen werden darf und zwingend eine politische Begleitung zum Schutz und zur Ordnung bedarf.“

Geht der Aktientausch über die Bühne, würde der Konzern damit seine Einkaufstour fortsetzen. Erst im März 2017 hatte Vonovia die milliardenschwere Übernahme des bisherigen Rivalen Convert perfekt gemacht. Vonovia war 2015 aus dem Zusammenschluss der Deutschen Annington und der Gagfah hervorgegangen – damals die Nummer 1 und die Nummer 3 auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Im Herbst 2015 wurde der Name in Vonovia verändert.

Wohl auch ein Versuch, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu setzen. Denn wie etwa der Stern 2014 berichtete, standen beide Unternehmen wegen zu schleppender und unterfinanzierter Instandhaltung und schlechtem Kundenservice schon in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik.

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