Warten auf Frost und Trockenheit : Überflutete Äcker: Bauern in SH müssen geduldig bleiben

<p>Auf vielen Äckern und Feldern in SH steht das Wasser.</p>
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Auf vielen Äckern und Feldern in SH steht das Wasser.

Wasser und Gülle steht den Bauern bis zum Hals. Auch für kommendes Jahr wird eine schlechte Ernte erwartet.

shz.de von
05. Januar 2018, 12:53 Uhr

Schleswig-Holstein | Regen und noch mehr Regen – Rekordverdächtige Wassermengen haben die Böden in Schleswig-Holstein durchnässt. Von Juli bis November soll im Bundesland mehr als 512 Liter Niederschlag gefallen sein, so teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Dezember mit. Das seien ein Drittel mehr Regen als in den vorherigen Jahren. In der zweiten Jahreshälfte soll sogar die doppelte Menge an Niederschlag heruntergekommen sein, so Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes. Und auch seitdem ist es nicht trockener geworden. Die Folge: Den Bauern steht nicht nur das Wasser bis zum Hals, sondern auch die Gülle. Kaum ein Acker oder Feld in SH steht nicht unter Wasser. Das Wintergetreide ist buchstäblich abgesoffen und die Bauern können ihre Länder nicht befahren, um Gülle abzutransportieren. Das einzige, was sie machen können, ist Warten.

Das sind alles keine neuen Probleme. Neu ist jedoch, dass der Bauernverband laut NDR 1 Welle Nord offenbar die Schuld bei den eigenen Leuten sucht. Der Rundfunksender zitiert den Vize-Präsident des Landesverbandes, Peter Lützow: Seiner Meinung nach hätten im Sommer mehr Landwirte die Regenwasserdrainagen auf den Feldern besser warten und spülen müssen. „Das ist eine absolut schiefe Darstellung. Das hat unser Vize-Präsident niemals so gesagt“, dementiert Stephan Gersteuer. Die einzige Ursache für die überfluteten Felder und Äcker seien die großen Wassermassen. „Vor dieser Folgewirkung hätte man sich nicht schützen können.“

<p>Äcker und Felder in SH sind nicht befahrbar.</p>
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Äcker und Felder in SH sind nicht befahrbar.

Das Problem sei, dass aller Regen, der in SH westlich von Kiel fällt, durch die Marsch durchgeschleppt und über den Deich in die Nordsee gelangen muss. „Wenn diese aber Hochwasser hat, ist es nicht möglich", erklärte Gersteuer. Deswegen stünden die Ackerflächen blank. „Im Moment können wir nichts tun. Wir müssen warten bis es wieder trocken ist“, sagt Gersteuer. Dann könne man überlegen, ob man die Drainagen nochmal durchspült.

Wie lange dauert es, bis die Äcker wieder trocken sind?

Laut dem deutschen Wetterdienst soll es ab Sonntag für eine Woche trocken sein und die Sonne scheinen. Reicht das schon aus, um die Äcker zu trocknen und das Problem vorerst zu lösen? „Höher gelegene Flächen auf der Geest trocknen schneller und werden vielleicht wieder befahrbar sein“, sagt Gersteuer. „Aber gerade da, wo der Ackerbau zuhause ist, wird es länger dauern. Da stellt sich jetzt schon die Frage, ob diese bis März wieder trocken sind."

Das wäre wichtig, denn bis März, spätestens Ende April, müsse das Sommergetreide gesät werden. „Selbst wenn wir die Sommersaat säen, wird es Ertragseinbußen von 20 Prozent geben“, so der Generalsekretär. Ein weiteres Problem an dieser Stelle: Es gebe nicht genug Saatgut. So würden einige Flächen sowieso unbestellt und schwarz liegen bleiben.

Gersteuer: „So ein Jahr haben wir noch nicht gehabt. Die Ernte war schlecht und wir wissen jetzt schon, dass das nächste Jahr auch nicht gut wird.“ Man habe im Herbst eine gute Ernte draußen stehen gehabt. Aufgrund des anhaltenden Regens konnte das Getreide nur teilweise geerntet werden, der Mais ging jedoch fast ganz verloren. Im Winter konnte dann nur die Hälfte des Getreides bestellt werden, Raps sogar noch weniger, so der Bauernverband-Vertreter. „Und das, was bestellt wurde, lässt auch nicht viel erwarten. Es wird starke Qualitätseinbußen geben.“

Gersteuer: „Wir brauchen dringend Frost“

Die Felder sind seit Monaten völlig durchnässt und nicht befahrbar. Die Bauern in SH können die Gülle nicht ausbringen – die schweren Trecker und Anhänger würden im matschigen Boden einsinken. Das Umweltministerium in Kiel erteilte deshalb eine Sonderregelung: Bauern dürfen unter strengen Auflagen provisorische Lagerbecken für Gülle errichten. Zudem wurde die Frist fürs Gülle-Fahren auf Mitte Januar vorverlegt.

Voraussetzung dafür sei, laut Gersteuer, allerdings, dass die Flächen wieder befahrbar sind. „Dafür brauchen wir dringend Frost.“ Nachtfrost hätte zudem den Vorteil, dass er den Boden wieder hochfriert. „Frost würden den Boden wieder auseinandertreiben, sodass das Wasser besser ablaufen kann.

Man werde das Wasser irgendwann wieder loswerden. Aber gerade solche Ausnahmesituationen zeigen, wie wichtig eine gute Wasserwirtschaft sei, so Gersteuer. Und gerade die Tendenz zeige, dass das Wasser auch in den kommenden Wintern zunehme.

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