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Niedrigzinspolititik der EZB : Trotz Wachstum: Volksbanken stehen unter Druck

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Kurs der Europäischen Zentralbank bereitet den VR-Banken große Sorgen: Negativzinsen sollen an Firmenkunden und Gemeinden weitergereicht werden. Auch Privatkunden müssen mit Gebührenerhöhungen rechnen.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2016 | 10:39 Uhr

Neumünster | In der Finanzbranche wächst der Kosten- und Ertragsdruck in Folge der Niedrigzinspolititik der Europäischen Zentralbank (EZB). Das gilt auch für die 33 Volksbanken Raiffeisenbanken (VR-Banken) in Schleswig-Holstein. Noch weisen die Genossenschaftsbanken im Land durchaus gute Ergebnisse aus und wachsen weiter. Allerdings: „Die notenbankpolitische Geisterfahrt bereitet uns große Sorgen“, sagt Kai Schubert, Sprecher der VR-Banken im Land. Hinzu komme „die regulatorische Geisterfahrt aus Brüssel, die uns erschlägt“,  so Schubert und resümiert:  „Wir empfinden das als Bedrohung.“

Die Europäische Zentralbank fährt eine Null-Zins-Politik. Für die Kunden der VR-Banken könnte dies schon bald Auswirkungen haben.

Folge: Die weiter sinkenden Zinseinnahmen, die bisher durch Wachstum und steigende Provisionseinnahmen kompensiert worden sind, sollen künftig auch auf der Kostenseite aufgefangen werden. So gehen Schubert und sein Kollege Klaus Treimer davon aus, dass künftig pro Jahr zwei bis drei Prozent der Geschäftsstellen im Land geschlossen und durch Selbstbedienungsstellen ersetzt werden. Bereits im vergangenen Jahr reduzierte sich die Zahl der Zweigstellen von 328 auf 315, während sich die Zahl der SB-Stellen von 165 auf 170 erhöhte. Dies sei auch auf die sich verändernden Nutzungsgewohnheiten der Kunden zurückzuführen, die zunehmend das Online-Banking nutzen. Fusionen von VR-Banken als Mittel gegen den wachsenden Kostendruck schließen Schubert und Treimer zwar nicht aus, allerdings gebe es in diese Richtung derzeit keine konkreten Absichten.

Für die Kunden der VR-Banken dürfte die Null-Zins-Politik der EZB allerdings schon bald Auswirkungen haben. Negativzinsen für Privatanleger wollen die Genossenschaftsbanken nach Aussage von Treimer zwar „solange wie möglich“ vermeiden. Dagegen werden  Gebührenerhöhungen nicht ausgeschlossen. Denkbar seien Preisanpassungen für  Kontoführung, Scheck- und Kreditkarten sowie für Null-Euro-Konten. Auch über eine Bepreisung von Online-Konten werde nachgedacht. Bei  Firmenkunden und  Gemeinden sollen die Negativzinsen in Form von „Verwahr-Entgelten“ dagegen weitergereicht werden. „Der sichere Hafen kostet Geld“, so Treimer.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bewegen sich die VR-Banken weiter auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Bilanzsumme um 7,8 Prozent auf 19 Milliarden Euro. Das Jahresergebnis sank allerdings auf 194 (Vorjahr: 212) Millionen Euro. Der Marktanteil der VR-Banken liegt nach eigenen Angaben bei rund 30 Prozent – Tendenz steigend. „Insgesamt sind wir mit  dem Geschäftsjahr 2015 sehr zufrieden“, sagt Treimer.

Besonders dynamisch entwickelte sich das Kreditgeschäft, das Kreditvolumen erhöhte sich um 8,6 Prozent oder eine Milliarde auf 12,7 Milliarden Euro. Knapp ein Drittel der Kredite entfällt auf Privatkunden,  gut zwei Drittel aller Kredite wurden 2015 an Firmenkunden vergeben. Dabei wurden 58 Prozent aller Kredite an Firmen in den Wirtschaftszweigen Dienstleistungen, Landwirtschaft und Energie ausgereicht. „Ganz besonders im Dienstleistungssektor inklusive der touristischen Leistungen hat sich die Wirtschaft im Land sehr gut entwickelt“, betont VR-Sprecher Schubert. Die Gesamteinlagen erhöhten sich um 7,7 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Das Eigenkapital der 33 VR-Banken stieg um 8,6 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro – gute Voraussetzung dafür, dass das Kreditgeschäft weiter wachsen kann.

Konstant blieb die Zahl der insgesamt 930.000 Kunden, während sich die Zahl der Genossenschaftsmitglieder um gut 5000 auf 347.500 erhöhte. Die Zahl der Mitarbeiter sank leicht auf 4527 (4579) Beschäftigte. 

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