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Ausbauzahlen Windenergie : Trotz Planungsstopp: Mehr Windkraft in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Moratorium der Küstenampel hält den Ausbau der Windenergie im Land kaum auf – die Neugenehmigungen von Anlagen sind sogar gestiegen.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 19:35 Uhr

Kiel | Der Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein ist im abgelaufenen Jahr trotz des grundsätzlichen Planungsstopps der Landesregierung kaum ins Stocken geraten. „Ich bin positiv überrascht, wie viele Anlagen das Land Schleswig-Holstein genehmigt hat“, sagte der aus Nordfriesland stammende Präsident des Windenergieverbands BWE, Hermann Albers, dem sh:z am Dienstag bei der Präsentation der jüngsten bundesweiten Ausbauzahlen in Berlin.

Wie aus den neuen Daten des Verbands hervorgeht, hat die Planungsbehörde von Ministerpräsident Torsten Albig im abgelaufenen Jahr grünes Licht für den Bau von 173 Windrädern in Schleswig-Holstein gegeben. Albigs Leute kommen bei ihrer Zählung sogar auf 224. In jedem Fall waren das mehr Genehmigungen als die 172 aus dem Jahr 2015 – und das, obwohl 2015 in der ersten Hälfte des Jahres der durch ein Gerichtsurteil ausgelöste Planungsstopp noch gar nicht in Kraft getreten war.

Möglich wurde das Plus in 2016, weil ein Erlass der Landesregierung Ausnahmen vom Ausbau-Moratorium für solche Windräder vorsieht, deren Errichtung offenkundig nicht „den Kriterien für Menschen- und Naturschutz“ entgegenstehen und die schon nach alten Plänen vorgesehen waren. Die auf diese Weise abgesegneten Rotoren können jetzt noch in 2017 und 2018 zu den bisherigen, günstigeren Förderbedingungen errichtet werden.

Aber nicht nur die Genehmigungen für neue Anlagen haben sich im nördlichsten Bundesland besser entwickelt als von der Branche erwartet. Vielmehr ist auch der tatsächliche Bau neuer Anlagen in 2016 nicht so stark eingebrochen wie wegen des seit Mitte 2015 geltenden Planungsstopps befürchtet. Zwar ist deren Zahl gesunken – doch hat sie sich nicht halbiert, wie Albers vor einem Jahr noch gewarnt hatte. Vielmehr ging sie nur um 29 Prozent zurück, von 307 auf 217. Damit liegt Schleswig-Holstein beim Zubau immer noch vor fast allen anderen Ländern. Nur Niedersachsen war mit 312 Anlagen besser.

Bundesweit ist die Zahl der Windräder von knapp 26.000 auf 27.270 gestiegen. Die installierte Leistung wuchs um 4260 Megawatt auf insgesamt 45.900 – davon 6450 in Schleswig-Holstein. Nachzügler wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Thüringen haben beim Ausbau aufgeholt. „Wir können zufrieden sein mit der derzeitigen Entwicklung – 2016 war ein gutes Jahr für die Windenergie“, resümierte Albers. Auch in diesem Jahr rechnet er noch mal mit einem ähnlich hohen Zubau wie im abgelaufenen.

Für die Jahre ab 2018 erwartet die Branche dagegen schwerere Zeiten – nicht zuletzt in Schleswig-Holstein. Grund ist die radikale Umstellung des Fördermodells für die erneuerbaren Energien: Neu genehmigte Windparks unterstützt der Staat nicht mehr länger automatisch mit einem festen Vergütungssatz, sondern schreibt sie aus und vergibt sie an denjenigen Bewerber, der mit dem niedrigsten staatlichen Zuschuss auskommt. Im Mai startet schon die erste Runde. Pro Jahr werden bundesweit künftig nur 2800 Megawatt Leistung insgesamt ausgeschrieben – also deutlich weniger, als zuletzt zugebaut worden ist.

In Schleswig-Holstein wird der Ausbau außerdem noch dadurch zusätzlich gebremst werden, dass das Land zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und Nord-Niedersachsen zu einem vom Bund definierten „Netzausbaugebiet“ gehört, in dem die Windkraft besonders stark gedeckelt wird. Hier dürfen nur noch höchstens 900 Megawatt pro Jahr neu installiert werden, weil die Leitungen nach Süden mehr Windstrom angeblich nicht verkraften würden. Weil in dem betroffenen Gebiet zuletzt aber durchschnittlich 1555 Megawatt pro Jahr zugebaut wurden und weitere 2000 Megawatt bereits genehmigt sind, ist klar, dass die Branche im Norden anschließend deutlich zurückstecken muss.

Weniger Sorgen macht Albers sich wegen der Ankündigung der schleswig-holsteinischen CDU, im Falle eines Wahlsiegs größere Abstände von Windrädern zu Wohnbebauung durchzusetzen. „Warten wir erst mal ab, was kommt“, sagt Albers. Immerhin habe CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther auch angekündigt, bei der vom Oberverwaltungsgericht Schleswig erzwungenen Neuordnung der Windeignungsgebiete die bisherigen Vorrangflächen in größerem Umfang zu erhalten, als die Küstenampel von SPD-Mann Albig es vorhat. „Und das“, sagt Albers, „wäre gut für uns.“

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