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Modernisierung in Flensburg : Trotz Konkurrenz: Erotik-Händler Orion wächst weiter

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Um neben Versand-Riesen wie Amazon konkurrenzfähig zu bleiben, investiert das Unternehmen in ein vollautomatisches Hochregalkartonlager. Sellen wurden dadurch nicht gestrichen.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 15:07 Uhr

Flensburg | Um halb vier morgens ist die große Lagerhalle von Orion noch menschenleer. Wie von Geisterhand beginnen dann sechs riesige, linealförmige Bediengeräte mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde durch die Regalreihen des Erotik-Unternehmens zu sausen. Sie packen bereits angelieferte Pakete in die 16 Meter hohen Regale und transportieren die Pakete, die an diesem Tag gebraucht werden, aus der Lagerhalle heraus. Alles vollautomatisch – nur wenn mal ein Klebeband verrutscht, müssen menschliche Arbeiter ran. Dafür sind bei Orion fünf Mitarbeiter als Kletterer ausgebildet worden, damit sie mit Gurten gesichert zu dem betroffenen Regalfach hochklettern können.

Seit März ist mit der Anlage eines der modernsten automatischen Hochregalkartonlager Europas fertig – „inzwischen läuft alles reibungslos“, versichert Andrea Bombrowski, die bei Orion die Logistik verantwortet. Fast ein halbes Jahr hat es gedauert, bis die rund vier Millionen Euro teure Anlage fertig war. Dafür geht jetzt alles zuverlässiger, schneller – und mit weniger Menschen. Schließlich mussten früher die bis zu 85.000 Pakete im Lager mühsam mit Gabelstaplern hin- und hergefahren werden.

Trotzdem sagt Prokurist Werner Sinner, dass durch das neue Hochregalkartonlager auf Dauer Arbeitsplätze geschaffen würden: Die vier Mitarbeiter, die zuvor für die Lagerung zuständig waren, würden jetzt in anderen Bereichen arbeiten. Und die neue Investition bilde die Basis für zukünftige Expansionen: „Im Distanzhandel geben die großen Unternehmen wie Amazon den Takt vor. In punkto Qualität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit müssen wir uns anpassen, um unsere Marktführerschaft zu erhalten, die wir in einigen Bereichen haben.“ Mit den klassischen Gabelstaplern wäre das Erotik-Unternehmen nicht mehr konkurrenzfähig – „damit kriegen wir die Geschwindigkeiten einfach nicht hin“. Am meisten freut sich Sinner über die Rückmeldungen der Kunden: „Mittlerweile schalten viele ihre Qualitäts-Kontrollen ab, wenn Pakete von Orion kommen. Das ist das größte Lob.“

Der Umbau war mit viel Aufwand verbunden – allein, weil die Lagerhalle während des laufenden Betriebs ausgeräumt, die Regale abgebaut und die Produkte an verschiedenen Orten in ganz Flensburg zwischengelagert werden mussten.

Wenn die Pakete, die ausschließlich mit einheitlichen Produkten gefüllt sind, aus der Lagerhalle kommen, werden sie in der Kommissionszone den einzelnen Bestellungen zugeordnet. Orion verschickt nicht nur an private Kunden, die über den Katalog oder das Internet bestellt haben, sondern auch an die über 170 Fachgeschäfte in ganz Europa. Den Löwenanteil aber macht die Belieferung des weltweiten Großhandels aus. „Über den Großhandel kommen wir natürlich leichter in neue Märkte“, erklärt Sinner. Es sei einfacher, ein Unternehmen zu finden, das in Kanada 20 Erotikläden beliefert, als wenn man selber Läden dort aufbauen würde.

Orion beschäftigt in Flensburg rund 320 Mitarbeiter und ist eins der Unternehmen in der Stadt, das die Ukraine-Krise zu spüren bekommt. „Zwar hat Putin Dessous und Sexspielzeuge noch nicht auf seiner schwarzen Liste, aber der Rubel wurde extrem abgewertet“, sagt Sinner. Und Russland sei ein großer Markt für das Unternehmen. Dafür leidet Orion nur wenig unter den Problemen, die die Konkurrenz seit einigen Jahren umtreiben: Wer vor allem mit Videos gehandelt habe, erklärt Sinner, dem sei durch das Internet ein Großteil des Geschäfts weggebrochen. Bei Orion habe man hingegen schon immer auf „Produkte zum Anfassen“ gesetzt, also in erster Linie auf Sex-Spielzeuge und Dessous, so dass hier die Verluste nur gering seien: „70 Prozent unserer Kunden sind Paare. Wir haben Frauen schon immer ernster genommen als der Großteil unserer Konkurrenten.“

Auch für die Zukunft hat Sinner schon Ideen: Wenn das Geschäft gut laufe, könne man das Hochregallager noch ausbauen. Und dann hat das Unternehmen kürzlich das Rahmengrundstück erworben, auf dem zuvor ein Autohaus stand. Dafür gibt es noch keine konkreten Pläne, aber Sinner hat immerhin „schon ein paar Visionen – zumindest wenn bis dahin die Rader Hochbrücke nicht zusammen bricht und uns die Transportwege abschneidet“.

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