Kultusministerkonferenz : Tourismuswirtschaft für längeren Sommerferien-Korridor

Verkehrsengpässe in der Urlaubszeit mindern, Tourismus-Umsätze steigern: Schleswig-Holstein ist für eine Entzerrung der Sommerferien in den Bundesländern. Die Tourismuswirtschaft setzt auf das Veto der Landesregierung in der Kultusministerkonferenz.

shz.de von
04. Juni 2014, 17:52 Uhr

Kiel | Die Tourismuswirtschaft in Schleswig-Holstein fordert von der Kultusministerkonferenz (KMK) einen Mindestkorridor von 90 Tagen für die Sommerferien in allen Bundesländern. Das von der Landesregierung angekündigte Veto zur Beschlussvorlage der Kultusministerkonferenz wäre ein deutliches Zeichen für eine tourismusverträgliche Lösung, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein, Jörn Klimant, am Mittwoch. Am sinnvollsten sei ein Korridor von Mitte Juni bis Mitte September.

Am Dienstag hatte das Kieler Kabinett auf einer Sitzung in Berlin beschlossen, jede Regelung blockieren zu wollen, die nicht einen Gesamt-Ferienkorridor von fast 90 Tagen vorsieht. Einen entsprechenden Auftrag erhielt Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) für die Kultusministerkonferenz am 12. und 13. Juni. Die Tourismuswirtschaft zählt mit einem Umsatz nach Verbandsangaben von 7,7 Milliarden Euro zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen.„Wir wollen nicht diese Ballung in den Kernzeiten: Man bekommt kein Quartier mehr, dafür stehen die Quartiere nachher leer“, sagte Klimant. Schleswig-Holsteins stellvertretender ADAC-Chef Gerhard Hillebrand betonte, Familien mit Kindern seien die Hauptzielgruppe der hiesigen Tourismuswirtschaft. Eine Verkürzung des Ferienzeitraums führe zu Einschränkungen bei der Verfügbarkeit der Quartiere und einer damit einhergehenden Verteuerung des Angebots.

Nach Ansicht der Verbände ist Schleswig-Holstein neben Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern von den Folgen eines engen Ferienkorridors besonders betroffen: „Anders als andere Bundesländer hat Schleswig-Holstein nur eine Sommersaison“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Industrie- und Handelskammer Flensburg, Dirk Nicolaisen.

Der Streit zwischen Kultus- und Wirtschaftsministern über eine optimale Ferienregelung schwelt seit Jahren. Dieses Jahr starten die Sommerferien in Deutschland am 7. Juli mit Nordrhein-Westfalen und enden am 15. September mit Bayern. Das entspricht einem Zeitraum von 71 Tagen. Die Kultusminister legen aus pädagogischen Gründen Wert auf annähernd gleiche Halbjahre und mindestens sechs Wochen Unterricht zwischen zwei Ferienintervallen. Die Wirtschaftsminister wollen mit einem breiteren Ferienkorridor der Tourismuswirtschaft entgegenkommen und Verkehrsengpässe entzerren.

Am Dienstag war der Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Harry Glawe (CDU), den Kultusministern im Streit um die Entzerrung der Sommerferien entgegengekommen. Der Ressortchef Mecklenburg-Vorpommerns schraubte die Ursprungsforderung von einem 90-Tage-Korridor auf 85 Tage zurück.

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