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Nachfrage zu gross : Tierschutz in SH: Viele Bauern dürfen bei Initiative nicht mitmachen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei einem Tierwohl-Programm geht jeder zweite Bewerber in SH leer aus. Das sorgt für Ärger bei den Landwirten. Sie drohen auf den Kosten sitzen zu bleiben.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2015 | 20:15 Uhr

Mit der Initiative Tierwohl wollen Handel und Fleischwirtschaft einen Beitrag für bessere Tierhaltung in Deutschland leisten. Höfe, die sich beteiligen, werden dafür finanziell unterstützt. Doch die Nachfrage der Landwirte ist weitaus größer als von dem Bündnis aus Handelsketten und Landwirtschaftsverbänden geplant. Viele Betriebe gehen leer aus.

Allein in Schleswig-Holstein haben sich 334 Schweine-Höfe und 19 Hähnchenmastbetriebe für die Teilnahme am Tierwohl-Programm beworben. Aufgenommen wurde aber vor allem bei den Schweine-Höfen nur gut jeder zweite – nämlich 165 Betriebe. Bundesweit stehen bei Schweine-Höfen mehr als 4600 Bewerbungen 2961 Zulassungen gegenüber. „Allein beim Mastschweine-Betrieb erfüllen viele Betriebe die Voraussetzungen und sind natürlich nun verärgert“, sagt Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein. „Man hat wohl nicht mit diesem Ansturm gerechnet.“

Für manchen Landwirt könnte die fehlende Zulassung zum handfesten Problem werden. So klagt der Bauernverband auf Bundesebene, dass viele von ihnen „in Vorleistung gegangen“ seien – zum Beispiel für die Erweiterung von Ställen – und nun „drohen, auf den Kosten sitzen zu bleiben“.

Dreh- und Angelpunkt der Initiative ist ein Fonds, in den der Handel pro Kilogramm verkauftem Fleisch vier Cent einzahlt. Das Geld wird anschließend an Betriebe ausgeschüttet, die die Anforderungen der Initiative erfüllen und von ihr zur Förderung zugelassen sind. Derzeit stehen mehr als 85 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Es gebe weder einen Rechtsanspruch noch eine Garantie auf Teilnahme am Programm, teilt die Initiative mit.

Auf Nachfrage heißt es zudem, dass Betrieben die Möglichkeit eingeräumt wurde, notwendige Maßnahmen erst nach erfolgreicher Zulassung zur Förderung umzusetzen. Zugleich habe laut einem Sprecher gegolten: „Je früher die Maßnahme umgesetzt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit zur Förderung.“ Viele Landwirte hätten daher das frühestmögliche Datum angegeben – und haben dafür offenbar finanzielle Risiken in Kauf genommen.

Das Bündnis bemüht sich nach eigener Darstellung derzeit um eine Lösung. „Wir hoffen natürlich, dass die Initiative weitergeht und dass alle Betriebe mit reinkommen“, sagt auch Dahmke vom Bauernverband. Die Situation für die Schweine-Bauern sei ohnehin angespannt. 1,60 Euro bis 1,70 Euro müssen nach Branchenangaben pro Kilo Fleisch gezahlt werden, damit die Erzeugungskosten gedeckt werden. Der Markt ließ zuletzt nur Preise zwischen 1,40 Euro und 1,50 Euro zu.

20 Prozent der deutschen Mastschweine werden derzeit durch den Tierwohl-Fonds abgedeckt, das sind 12 Millionen Tiere. Beim Geflügel sind es 50 Prozent, das heißt 255 Millionen Tiere.

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