Heide : Tiefer Griff in die Antibiotika-Trickkiste

Professor Dr. Fritz S. Keck, Chefarzt der Medizinischen Klinik, muss tief in die Antibiotika-Trickkiste greifen, um den Bakterien den Garaus zu machen.   Foto: Schmid
Professor Dr. Fritz S. Keck, Chefarzt der Medizinischen Klinik, muss tief in die Antibiotika-Trickkiste greifen, um den Bakterien den Garaus zu machen. Foto: Schmid

MRSA lautet das Kürzel für besonders widerstandsfähige Bakterein, denen im Heider Klinikum der Kampf angesagt wird.

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08. Juli 2009, 10:56 Uhr

Heide | Das Westküstenklinikum Heide (WKK) widmet sich verstärkt den Kampf gegen Bakterien. Ganz einfach ist das nicht. Denn den mikroskopisch kleinen Krankheitserregern auf die Schliche zu kommen, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Um die Verbreitung der Krankheitserreger im WKK einzugrenzen, wurde eine Hygiene- Kom mission gegründet, die strenge Richtlinien vorgibt. Dazu gehören aufwendige Eingangsbefragungen, Schnelltests, bei Bedarf Isolierung des Patienten und natürlich die erforderliche Therapie - die Liste der Maßnahmen orientiert sich an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Patienten und Krankenhauspersonal müssen dies gleichermaßen umsetzen.

"Nur wenn wir konsequent alle Hygienemaßnahmen umsetzen, haben wir eine Chance, die weitere Verbreitung der Keime zu verhindern", erklärt Professor Dr. Fritz S. Keck, Chefarzt der Medizinischen Klinik. Dennoch: "Eine vollständige Ausrottung ist nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft ohnehin kaum möglich."

Die gefürchteten Bakterien mit dem komplizierten Namen Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz MRSA, sind weltweit auf dem Vormarsch. Sie vermehren sich auf der Haut und den Schleimhäuten und werden zum stillen Begleiter von Menschen - ohne Schaden anzurichten, sofern das Immunsystem intakt ist und keine Verletzungen bestehen. Doch kommen diese Menschen ins Krankenhaus, besteht die Gefahr der Ausbreitung. Die Erreger können großen Schaden anrichten, vom Furunkel bis zu lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Mit dem Einsatz von Schnelltests und der Einrichtung einer Datenbank hat das WKK einen Überblick über die Ausbreitung. 2007 wurden 155 MRSA-Patienten ermittelt. Im vergangenen Jahr waren es 253. "Ich bin froh, dass man im WKK offen über das Thema redet", so die Hygienefachkraft Milica Djuric-Wucherpfennig. Sie hat die Aktion "Saubere Hände" ins Leben gerufen, um Patienten, Besucher und Klinikpersonal für das Thema zu sensibilisieren.

Mit Antibiotika kann den Staphylokokken-Bakterienstämmen nicht so einfach der Garaus gemacht werden. Die Gründe für das Aufkommen von antibiotikaresistenten Erregern sind noch nicht bis ins Detail erforscht. Viele Wissenschaftler sehen jedoch einen Zusammenhang zwischen zu häufigem Einsatz von Antibiotika bei Menschen und in der Tiermast. "Das bereitet uns große Probleme", erklärt WKK-Geschäftsführer Harald Stender. Die Schuld an der Ausbreitung der Bakterien den Krankenhäusern zu geben, sei jedoch ungerechtfertigt.

"Wir müssen zur Behandlung in die tiefe Antibiotika-Trickkiste greifen", erklärt Keck das Problem. Er warnt daher vor dem Einsatz der Mittel zum Beispiel bei grippalen Infekten: "In solchen Fällen bewirken diese Medikamente für die Heilung des Patienten gar nichts", so der Chefarzt. Würden zu oft Antibiotika bei Krankheiten verschrieben, für die sie gar nicht geeignet seien, wäre dies sogar auf Dauer schädlich. Auch Patienten seien mitverantwortlich. Oft würden sie mit Antibiotika leichtfertig umgehen und die Medikamente falsch oder zu kurz einnehmen.

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