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Marineschiffbau : ThyssenKrupp will aus Schiffbau in Schweden aussteigen

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Nur noch Hamburg, Kiel und Emden: Das Unternehmen ThyssenKrupp will seinen Marineschiffbau künftig unter anderem auf seine Standorte im Norden konzentrieren.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 09:58 Uhr

Hamburg/Kiel/Essen | ThyssenKrupp will den Schiffbau in Schweden aufgeben. Wegen Differenzen über U-Boot-Aufträge der schwedischen Regierung kündigte das deutsche Unternehmen am Montag in Essen an, die frühere schwedische Staatswerft Kockums - jetzt TKMS AB - verkaufen zu wollen. Mit dem Rüstungskonzern Saab AB seien dazu Gespräche vereinbart worden. Die schwedische Regierung möchte aus Gründen der nationalen Sicherheit den U-Bootbau wieder in einem Unternehmen in schwedischem Besitz ansiedeln. ThyssenKrupp begründete denn auch die Verkaufspläne mit der Absicht Stockholms, „künftige Marineschiffbauprogramme national durchführen zu wollen“.

Bei ThyssenKrupps schwedischer Schiffbautochter arbeiten an den drei Standorten Malmö, Karlskrona und Muskö rund 900 Beschäftigte. 1999 hatte die Kieler Werft HDW Kockums erworben, im Jahr 2005 übernahm ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) HDW und damit auch die Werft in Schweden. Dort war der Vorwurf zu hören, TKMS lasse die nicht ausgelastete Werft ausbluten, es gab keine Neubauten.Das Misstrauen in Stockholm scheint groß zu sein: Laut „Kieler Nachrichten“ (Montag) soll es eine Aktion mit Militärpolizei auf dem TKMS AB-Gelände in Malmö gegeben haben, um Motoren für die A 26 U-Boote, die Schweden bauen lassen will, zu beschlagnahmen.

Schwedische Medien hatten über die Aktion vom vergangenen Dienstag berichtet, Militär habe bei Kockums alles beschlagnahmt, was dem schwedischen Staat und zur Entwicklung des neuen U-Boots A 26 gehöre.

Das Militär habe interveniert, um schwedisches Staatseigentum zu sichern, berichtete die Tageszeitung „Svenska Dagbladet“.Eine Sprecherin der schwedischen Beschaffungsbehörde FMV für Militärgüter sagte am Montag in Stockholm auf dpa-Anfrage, es habe sich um einen „gewöhnlichen Transport von Verteidigungsmaterial“ gehandelt. Details könne sie nicht nennen. Auch ThyssenKrupp wollte sich nicht näher zur Polizeiaktion äußern.Noch im März hatte ThyssenKrupp in Stockholm bei einem Krisengespräch mit der FMV Zugeständnisse gemacht und die Entwicklung eines U-Boots in Schweden sowie die Verlagerung von Arbeitspaketen von seiner gut ausgelasteten Kieler Marinewerft angeboten - vergeblich.Verteidigungsministerin Karin Enström bezeichnete Anfang April im schwedischen Rundfunk (SVT) die U-Boot-Fähigkeiten als ein wesentliches Sicherheitsinteresse für Schweden. Sie sehe keine Grundlage mehr, mit den Industrieverhandlungen, die das FMV geführt habe, weiterzukommen. „Für Schweden ist es wichtig, dass wir die staatliche Kontrolle über unser geistiges Eigentum behalten“, sagte Enström. Zudem hatte es Dissenz über die internationale Vermarktung des U-Boots A 26 gegeben.ThyssenKrupp betonte, seinen „profitablen“ Marineschiffbau jetzt auf die Standorte Emden, Hamburg und Kiel zu konzentrieren. „Dieser Bereich verfügt über einen hohen Auftragsbestand, der die Auslastung und Beschäftigung bis 2020 sichert.“ Wegen der Verkaufsgespräche mit Saab AB wollte sich ein ThyssenKrupp-Sprecher nicht dazu äußern, ob weiterhin Arbeitspakete nach Schweden verlagert werden sollen.

Beobachter halten dies im Falle eines Verkaufs für unwahrscheinlich. Für die TKMS-Werft in Kiel mit 2300 Mitarbeitern drohten keine Konsequenzen, hatte der Konzern bereits im März versichert.Die Zahl der U-Boote, die Schweden bauen lassen will, ist unklar.

Zunächst waren zwei A 26 im Gespräch. Kürzlich berichtete die Boulevardzeitung „Expressen“, Außenminister Carl Bildt wolle nun fünf neue U-Boote für Schwedens Marine kaufen - eine Investition von fast zehn Milliarden Kronen (umgerechnet 1,12 Milliarden Euro).

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