Medienbericht : Thyssen-Krupp will sich von seinen Werften trennen

Ein U-Boot liegt auf dem Gelände der TKMS-Werft in Kiel. /Archiv
Ein U-Boot liegt auf dem Gelände der TKMS-Werft in Kiel. /Archiv

Die Konzernführung berät nach dem Aus bei der Vergabe für das Mehrzweckkampfschiff 180 über die Zukunft der Sparte.

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08. Juni 2018, 12:48 Uhr

Essen/Berlin | Thyssen-Krupp bereitet sich nach einem Bericht des „Handelsblatt“ auf die Abspaltung einer weiteren Traditionssparte vor – dem Werftgeschäft. Der Grund sei die Entscheidung der Bundesregierung, den Industriekonzern nicht am Bau des Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 zu beteiligen, heißt es. Das „Handelsblatt“ beruft sich dabei auf Unternehmerkreise. Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) arbeitete bisher eng mit der Marine zusammen.

An den Standorten Kiel , Hamburg und Emden sind laut dem Bericht 1000 Beschäftigte betroffen. Erst im Februar hatte der Konzern die beabsichtigte Schließung der Niederlassung Emden mit 220 Mitarbeitern für drei Jahre ausgesetzt, um die Vergabe abzuwarten.

Ohne den Bauauftrag für die neuen Schiffe verliere Thyssen-Krupp Umsatz in Höhe von 3,5 Milliarden Euro sowie Exportaufträge. Keine Marine der Welt würde bei einem Unternehmen bestellen, welches nicht Ausrüster des eigenen Militärs ist, wird ein Manager einer konkurrierenden Werftengruppe zitiert.

Der Zuschlag an TKMS galt bislang als sicher. Zum Zuge kommen werden nun entweder die niederländische Damen-Gruppe oder die Kieler German Naval Yards. Den Ausschluss bezeichnete der Dax-Konzern als „harten Schlag“. Nun werde eine Partnerschaft mit Wettbewerbern oder aber ein kompletter Verkauf der Sparte angestrebt. Ohne eine Einigung drohe die Abwicklung. Ohne Rückendeckung aus der Politik sei auch der Bau von U-Booten nicht mehr rentabel, heißt es weiter.

MKS180 ist ein Leuchtturmprojekt und soll die künftig kampfstärkste Waffe der Marine werden. Die Fregatte ist der teuerste Neubau in der Geschichte der Marine und hat Prestigecharakter. Zunächst sollen vier Einheiten gebaut werden – mit Option auf zwei weitere Schiffe für weitere 1,5 Milliarden Euro.

In Deutschland werden in allen fünf Küstenländern Marineschiffe oder Teile davon oder Zulieferungen gebaut, von Wolgast bis Emden. Schwerpunkt sind Kiel, Hamburg und Bremen. Am Marineschiffbau in Deutschland hängen nach Schätzung der IG Metall Küste mehr als 10.000 Arbeitsplätze, davon 6000 auf den Werften in Norddeutschland. Das entspricht rund 40 Prozent der Beschäftigten.

Die deutschen Schiffbaubetriebe sind weltweit erfolgreich mit Kreuzfahrtschiffen, Fähren und Spezialschiffen, aber kaum noch aktiv beim Bau von Handelsschiffen. So werden schon lange keine Containerschiffe mehr auf deutschen Werften gebaut.

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