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Europäische Zentralbank : Teure Versprechen: Mittelstand leidet unter Niedrigzinsen

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Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) womöglich erneut den Leitzins senkt, dürften manche Unternehmen im Norden dies mit sehr gemischten Gefühlen zur Kenntnis nehmen.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 01:25 Uhr

Kiel/Lübeck | Für Schleswig-Holsteins kleine und mittelständische Unternehmen und ihre Beschäftigten haben Zahlen wie der Leitzins der EZB Sprengkraft. Nicht sofort - aber auf lange Sicht. Denn die Niedrigzinspolitik der EU erschwert den Unternehmen zwischen Nord- und Ostsee die Finanzierung von Betriebsrenten.

Wo Versicherungen hinter den Betriebsrenten stehen, haben diese es immer schwerer, notwendige Beträge am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Zugleich drücken steigende Rückstellungen auf die Bilanzen der Unternehmen. "In der Tat ist es so, dass dieses Thema in unserer mittelständischen Wirtschaft seine Relevanz entfalten wird", sagt daher auch Martin Siedler, Finanzexperte der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein.

Das Problem ergibt sich für Unternehmen in folgender Weise: In ihren Bilanzen müssen Unternehmen die Abzinsungen über die künftigen Pensionslasten berücksichtigen. Als wichtigster Parameter gilt der Rechnungszins - eine Art Gradmesser für die Restlaufzeit des Geldes. Je nach Bilanzierungsart kann ein unterschiedlicher Satz gelten, aber die Tendenz ist stets ähnlich: "Es geht dahin, dass der Rechnungszins sinken wird", prognostiziert Siedler - und die vergangenen Monate geben dem Experten recht. 2008 lag der Rechnungszins noch bei 5,25 Prozent, gegenwärtig sind es nur noch knapp 5,01 Prozent. Sinkt der Rechnungszins, dann steigen die Pensionsrückstellungen, wie auch ein Sprecher der Allianz-Tochter Allianz Global Investors erläutert. Experten geben vereinfacht an, dass mit jedem Prozentpunkt, mit dem der Rechnungszins sinke, die Rücklagen um bis zu 30 Prozent steigen müssten.

Beim Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Dräger kennt man diese Probleme. "Ja, die Rückstellungen erhöhten sich in 2012 aufgrund der signifikanten Absenkung des Rechnungszinses für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen", bestätigt Unternehmenssprecherin Melanie Kamann. Bundesweit rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in einer Studie mit einem Plus bei Pensionsrückstellungen von 0,44 Milliarden für die kleinen und mittleren Unternehmen - Geld, das etwa auf der Seite der Investitionen dann fehlt.

Dabei wird die Altersvorsorge für viele auch bei der Suche nach Personal immer wichtiger. "Betriebsrenten spielen als Bestandteil des Gesamtvergütungspakets bei Dräger eine wichtige Rolle und werden von der Mehrzahl der Mitarbeiter als Vergütungselement wahrgenommen und geschätzt", sagt Kamann. Im Rekrutierungs prozess könne diese Leistung als positives Argument genutzt werden.

Sorgen um die Renten müssen Angestellte aber nicht haben. "Ganz grundsätzlich sind die Betriebsrenten sicher", betont ein Sprecher der Allianz Global Investors. Zumal die Renten selbst im Insolvenzfall eines Unternehmens durch den Pensions-Sicherungs-Verein geschützt sind.

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