Bilanz 2016 : Tesa gleicht Asien-Schwäche durch Automobilgeschäft aus

Produkte des Klebstoffherstellers Tesa.

Produkte des Klebstoffherstellers Tesa.

2016 stiegen die Erlöse leicht um 0,5 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro. Als Gewinn blieben 128,6 Millionen Euro.

shz.de von
29. März 2017, 11:27 Uhr

Norderstedt | Alles, was haftet, ist sein Geschäft. Und doch will Tesa-Chef Robert Gereke keinesfalls zu sehr am Alten kleben. „Gerade in Krisenjahren gibt es die Chance, etwas zu verändern. Das haben wir 2016 sehr gut gemacht“, sagte der Vorstandsvorsitzende bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr am Mittwoch. Soll heißen: Trotz eines miserablen Jahresstarts und drastischer Einbrüche im Asiengeschäft habe Tesa 2016 noch die Kurve gekriegt und ein positives Ergebnis geschafft. Möglich war das laut dem Vorstandschef nicht zuletzt dank erfolgreicher neuer Produkte aus der Norderstedter Ideenschmiede. So sei die Einführung von klebenden Nägeln und Schrauben („Smart Mounting“) die erfolgreichste Tesa-Marktkampagne seit 20 Jahren.

Die 100-prozentige Tochter der Hamburger Beiersdorf AG hat den Umsatz im vorigen Jahr bei 1,15 Milliarden Euro stabil gehalten (+ 0,5 Prozent); operativ – also ohne Wechselkurseinflüsse – liege das Plus bei 2,6 Prozent. Der Vorsteuergewinn sank leicht um fünf Millionen auf 186 Millionen Euro. Mit einer Umsatzrendite von gut 16 Prozent bleibt das Unternehmen ungewöhnlich profitabel.

Hinter der insgesamt soliden Entwicklung stecken teils heftige Ausschläge in den Segmenten. So brachen die Geschäfte mit wichtigen Elektronik-Herstellern in Fernost um fast neun Prozent ein, ausgelöst durch einen Nachfragerückgang bei Smartphones und Tablets. „Das war schon heftig“, gestand Gereke. In jedem Handy und Tablet stecken Dutzende Klebepunkte zur Befestigung von Bauteilen. Die Asien-Delle sei aber vorübergehender Natur, der Markt habe sich gefangen.

Ausgleichen konnten die Norderstedter die Einbußen durch ein kräftiges Umsatzplus mit Produkten für die Automobilindustrie, etwa Umklebungen für Kabelstränge und selbstklebende Sicherheitsetiketten. Deutlich zugelegt hat das Unternehmen zudem in den Bereichen Do-it-Yourself und Handwerkerzubehör. Der klassische Tesa-Film macht dagegen nur noch einen Bruchteil des Umsatzes aus.

Weitere Innovationen seien notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben, betonte der Vorstandsvorsitzende. Vielversprechende Neuentwicklungen gebe es gleich mehrere in der Pipeline. So setzt Tesa auf einen Boom so genannter Wearables, also Fitnessarmbänder und Smartwatches. In jedem der Minicomputer stecken bis zu 49 Klebeteile. Auch hofft das Unternehmen auf Aufträge für die sich entwickelnde Produktion von E-Automobilen.

Neues Knowhow soll nicht nur aus den eigenen Reihen kommen, Tesa sieht sich auch nach Kaufkandidaten um. Gerade kam es zur Übernahme des deutschen Lieferanten „Nie wieder Bohren“. Es werden wohl weitere folgen, die Kriegskasse bei der Konzernmutter Beiersdorf ist jedenfalls prall gefüllt. Gereke: „Im Bereich Fusionen und Zukäufe laufen verstärkte Bemühungen.“

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