Süße Geschäfte

Eric Jahnke präsentiert Kau-Toffees des Familienunternehmens aus Kaltenkirchen.
Eric Jahnke präsentiert Kau-Toffees des Familienunternehmens aus Kaltenkirchen.

Bonbon-Kocher Jahnke aus Kaltenkirchen geht mit neuen Produkten auf Expansionskurs

shz.de von
29. Juni 2014, 18:07 Uhr

Es ist eine Sünde. Das räumt Eric Jahnke (24) selbst ein. Zucker, Lakritz und Karamell sind sein tägliches Geschäft. 700 Tonnen an Bonbons verlassen jedes Jahr das Werk von „Rudi Jahnke“ in Kaltenkirchen – und wandern von dort zu den norddeutschen Supermärkten à la Rewe, Edeka und Co. „Der Rest der Republik ist eigentlich noch weißes Land“, sagt Jahnke-Vertriebschef Rainer Theuer (49). Das soll sich jetzt ändern. Mit neuen Produkten und altbewährten Rezepten soll die Expansion quer durch die Republik gelingen.

Die alten Kupferkessel – klassische Utensilien des Bonbon-Kochers – stehen in einer hinteren Ecke der Werkshallen. Im Alltag bestimmen längst große Silos, Fließbänder und moderne Steuereinheiten die Produktion. Geräte entwickeln die Kaltenkirchener in Kooperation mit Bosch. Denn nicht immer passen die hohen Ansprüche der Kaltenkirchener an ihre Zutaten und die klassische industrialisierte Produktion zusammen. „Wir mussten die Maschinen umbauen, damit sie die Sachen verarbeiten können“, sagt Eric Jahnke.

Als Maschinenbauer – und Tüftler – erfahren sie daher in der Branche auch besondere Aufmerksamkeit. Manche der Maschinen in der Werkshalle, in denen die Karamell- und Bonbonmasse geformt und geknetet wird, sind Prototypen. Mehrere Ventilatoren wurden an einer Stelle nachträglich und von Hand über ein Laufband montiert. Der süße, braun-goldene Teig soll so schneller heruntergekühlt werden. Es würde noch ausprobiert, erklärt Jahnke. Immer wieder müssen Mitarbeiter die Karamellmasse von Hand in die richtige Spur bringen. Am anderen Ende werden 900 bis 1000 Toffees von der Maschine im Minutentakt abgepackt. Es ist das neueste Produkt von Jahnke. „Ein Kau-Toffee, der nicht an den Zähnen klebt“, sagt Eric Jahnke.

Die Innovationsfreude bei Jahnke ist Teil des Geschäfts. „Süßwaren sind die Produktgruppe mit der höchsten Innovationsrate“, sagt Vertriebsleiter Theuer. Supermärkte verlangen nach immer neuen Produkten, die Kunden sowieso – hinzu kommt der regionale Geschmack. „Wir haben die Lakritz-Kompetenz“, betont Theuer. Der Salz-Lakritz ist in Schleswig-Holstein der Top-Seller der Kaltenkirchener. Doch außerhalb von Norddeutschland – und auch Nordrhein-Westfalen – ist Lakritz weniger gefragt. Wobei Eric Jahnke das vor allem für eine Kopfsache halte. So zeige die Erfahrung, dass Raucher für Lakritze empfänglich seien. Schließlich komme der Stoff auch in der Tabak-Produktion zum Einsatz.

Bundesweit verzehrten die Deutschen vergangenes Jahr rund 32 Kilogramm an Süßigkeiten, doch verzeichnete die Branche nach Zahlen des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ein Minus bei Hartkaramellen und Bonbons. „Das Thema Bonbon-Lutschen ist in der Bundesrepublik rückläufig“, sagt auch Theuer. Weichkaramelle – und damit auch Toffees – erlebten allerdings laut BDSI zuletzt einen Aufschwung. Und von dem will auch Jahnke mit seinen Toffees profitieren.

Die Wurzeln des Bonbon-Herstellers Jahnke, der heute 21 Mitarbeiter zählt, reichen zurück bis in die 30er Jahre, damals lernte Gründer Rudi Jahnke das Handwerk des Bonbon-Kochers von Grund auf. Aus dem Rheinland kam Jahnke später nach Norddeutschland, blieb in Hamburg, gründete in Altona sein erstes eigenes kleines Unternehmen. Später folgte der Umzug nach Kaltenkirchen. Seit 1989 lenkt sein Sohn die Geschicke des Familienunternehmens. Und mit Eric Jahnke und seinem Bruder Philip steht schon die nächste Generation bereit.

An Bewährtem hält aber auch dieser fest. Nicht selten bemüht Eric Jahnke dann auch den Verweis auf Empfehlungen des Unternehmensgründers und eigenen Großvaters. Zucker statt Glukosesirup, natürliche Farbstoffe statt synthetischer Zusätze, echter Geschmack statt Kunstaromen. „Bonbon-Zutaten sollen Spaß machen.“

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