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Stromtrasse von SH nach Bayern : „Südlink“-Probleme: Teurer, später und mehr Störungen im Stromnetz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Tennets Stromautobahn „Südlink“ drohen drei Jahre Verzögerung - unter anderem. Schuld sind Erdkabel.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2015 | 09:30 Uhr

Beim Ausbau des deutschen Stromnetzes gibt es neue Probleme – nicht zuletzt in Schleswig-Holstein. Grund ist der Beschluss der Bundesregierung zum verstärkten Einsatz von unterirdischen Erdkabeln beim Bau neuer Leitungen. Dadurch droht sich zum einen die Eröffnung der großen Nord-Süd-Gleichstromtrasse „Südlink“ von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg noch weiter zu verzögern als zuletzt ohnehin schon befürchtet. Zum anderen sorgt sich Netzbetreiber Tennet, dass die künftig auch bei Wechselstromleitungen häufiger vorgesehene Verwendung von Erdkabeln verstärkt zu Störungen im Stromnetz führen könnte – etwa in Ostholstein. Und viel teurer wird der Netzausbau durch Erdkabel obendrein.

Hatte Tennet im Sommer noch von zwei Jahren Verspätung beim Bau der großen „Südlink“-Stromautobahn gesprochen und einer Verschiebung des Eröffnungstermins von 2022 auf 2024, so geht das holländische Unternehmen nun sogar von drei Jahren Verzug und einer Einweihung erst in 2025 aus. Der Grund: Weil Tennet beim Bau dieser Gleichstromleitung vorrangig Erdkabel verwenden muss statt Freileitungen, fangen die Planungen fast wieder bei Null an. Denn für das Verlegen von Erdkabeln sind andere Kriterien wichtig als für die Errichtung von Freileitungen.

Während Überlandtrassen über möglichst weite Strecken parallel zu bereits bestehenden Leitungen, Autobahnen oder Bahngleisen gebaut werden sollen, ist das bei Erdkabeln nicht nötig. Sie können daher viel gerader und direkter verlegt werden und müssen nur Wasserschutzgebiete umgehen. „Durch die gesetzliche Neuänderung muss der laufende Planungsprozess für Gleichstromvorhaben vollständig neu aufgesetzt werden“, heißt es daher in der Stellungnahme von Tennet für eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestags, die diese Woche stattfand. „Diese Neuplanung führt zur zeitlichen Verzögerung von drei Jahren.“

Die „Südlink“-Leitung besteht aus zwei weitgehend parallel laufenden Strängen mit Startpunkten in Brunsbüttel und Wilster. Sie soll die wachsende Menge Windstrom aus Schleswig-Holstein in die industriellen Zentren in Süddeutschland transportieren. Die Nachricht von der Verzögerung bedeutet für die Windbauern im Norden und die Stromkunden nichts Gutes: Solange der „Südlink“ nicht fertig ist, drohen verstärkt Abschaltungen von Windrädern, weil die immer größere Stromproduktion sonst das Netz zusammenbrechen ließe. Bezahlt werden muss der erzeugte Ökostrom allerdings trotzdem – von den Verbrauchern. Und die Stromkunden werden wegen der Erdkabel ohnehin schon zusätzlich belastet, weil die Netzentgelte zur Finanzierung der Leitungen steigen: Erdkabel sind drei- bis achtmal so teuer wie Freileitungen.

Tennet warnte diese Woche zudem davor, auch bei herkömmlichen Wechselstromleitungen wie vom Bund geplant stärker auf Erdkabel zu setzen. Bei Wechselstrom entspreche die Erdverkabelung „nicht dem Stand der Technik“. Vielmehr drohten durch das Einfügen von Erdkabeln ins Freileitungsnetz „Spannungsüberhöhungen mit Störungen im Gesamtnetz“. Das Risiko solcher Überspannungen nehme zu, je mehr Erdkabel im Netz verlegt sind. Bei Pilotprojekten sind bisher bundesweit erst 35 Kilometer Erdkabel für Wechselstromleitungen geplant. Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck will allerdings auch in Ostholstein einen Teil der neuen Ostküstenleitung unterirdisch verlegen lassen. Mehr als 80 Kilometer sollten es insgesamt in Deutschland aber nicht werden, warnt Tennet nun: Sonst werde die „systemverträgliche Grenze“ überschritten und es im Stromnetz „zu einer erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit kommen“.

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