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Ausbau Erneuerbare Energie : Stromnetz in SH am Rande der Belastungsgrenze

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Immer mehr Windkrafträder werden im Norden gebaut. Doch immer öfter müssen Betreiber von Stromnetzen eingreifen, damit die Versorgung nicht zusammenbricht.

Kiel | Das Stromnetz in Schleswig-Holstein stößt durch den Ausbau von Windkraftanlagen an seine Grenzen. Immer häufiger müssen Netzbetreiber Kraftwerke vom Netz nehmen, um die Leitungen im Land zwischen Nord- und Ostsee nicht zu überlasten. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Allein der Höchstspannungsnetzbetreiber Tennet musste nach eigenen Angaben 220 Gigawattstunden Windenergie in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr abregeln. Im Jahr zuvor waren es noch bundesweit 555 Gigawattstunden, die ungenutzt blieben, weil sie andernfalls die Netze überlastet hätten, wie es aus dem Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur hervorgeht. 480 Gigawattstunden entfielen dabei allein auf Windkraftanlagen. Und die Zahl der Eingriffe steigt offenbar deutlich.

Nach Einschätzungen des Netzbetreibers Hansewerk – der in Schleswig-Holstein die 110 KV-Leitungen verantwortet – lag die Zahl der Abschaltungen im nördlichsten Bundesland in den ersten Monaten 2015 in einer ähnlichen Größe wie im gesamten Jahr 2014. Einem Bericht des „Norddeutschen Rundfunks“ (NDR) zufolge mussten Schleswig-Holsteins Umspannwerke allein im Mai 50.000 mal ihre Leistung reduzieren – so oft wie nie zuvor.

Es ist ein Wettlauf der Netzbetreiber mit den Bauherren von Wind- und Solarkraftanlagen. Während letztere wie Pilze aus dem Boden sprießen, stockt der Netzausbau in Teilen. 1766 Windkraftanlagen wurden allein im vergangenen Jahr neu errichtet – der Großteil davon in Schleswig-Holstein. Bundesweit gab es zuletzt gut 24867 Anlagen. Fast alle Abregelungen sind nach Angaben von Hansewerk darauf zurückzuführen, dass der Übergang ins Übertragungsnetz, das den Strom nach Süddeutschland transportieren soll, hakt beziehungsweise eben noch überhaupt nicht gebaut ist.

Die Lösungen zu diesem Problem sind bekannt: Sie heißen Westküsten- und Ostküstenleitung. „Mit Fertigstellung der 380000-Volt-Höchstspannungsleitungen der Tennet wird es zu einem deutlichen Rückgang kommen“, sagt ein Sprecher bei Hansewerk. „Der rasche Ausbau unseres Stromübertragungsnetzes hat mit dem zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien und dem näher rückenden endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie an Dringlichkeit weiter zugenommen“, konstatierte auch Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur im Frühjahr dieses Jahr. Der Netzausbau „ist eine Schlüsselfrage für den Erfolg der Energiewende“, sagte er.

Doch während bei der Westküstenleitung gerade einmal der erste Abschnitt im Bau ist, existiert die Ostküstenleitung bislang nur in der Planung. Für den Verbraucher heißt das vor allem eines: Er wird in Zukunft noch mehr für nicht-verbrauchten Strom bezahlen müssen, für Windkraftanlagen, die abgeregelt werden, damit die Leitungen nicht zusammenbrechen. Schon zuletzt stiegen die Kosten für diese Manöver massiv.

Berechnete Tennet 2013 noch 25 Millionen Euro, dürfte die Abregelung für das vergangene Jahr bereits mit 50 Millionen Euro – also mal eben dem doppelten Betrag – zu Buche schlagen, wie der Netzbetreiber auf Nachfrage mitteilt. Das übersteigt zugleich den Gesamtbetrag von 43 Millionen Euro der laut Bundesnetzagentur 2013 noch  bundesweit ermittelt wurde.

Ein schnelles Ende der Abregelungen ist nicht zu erwarten. Das räumen auch die Branchenexperten ein.  „Wir glauben nicht, dass mittelfristig die Abregelungen bei Null liegen werden“, sagt ein Hansewerk-Sprecher.  Langfristig sei dies eventuell möglich – wenn der Netzausbau umgesetzt sei. Das aber wird voraussichtlich erst im nächsten Jahrzehnt so weit sein. 

Wer sind Tennet und Hansewerk?

Schleswig-Holsteins Stromnetz unterteilt sich in verschiedene Ebenen. Je nach Ebene gibt es andere Betreiber. So ist für die Höchstspannungsleitungen der Konzern Tennet verantwortlich. Er steht auch hinter dem Bau der Westküsten- und der Ostküstenleitung. Die 110-KV-Leitungen im Land werden hingegen von der Schleswig-Holstein Netz AG, einer Tochter des Quickborner Unternehmens Hansewerk, betrieben. 

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erstellt am 16.Aug.2015 | 12:24 Uhr

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