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Anfällige Netze : Stromausfall: Land arbeitet an Notplänen

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Gewarnt haben Fachleute schon lange. Jetzt erfahren die Bundesbürger aus berufenem Munde, wie groß das Risiko ist, bald im Dunkeln zu sitzen.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 06:59 Uhr

Kiel | Anfällige Netze und eine zunehmende Zahl von Störungen: „Die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen ist angestiegen“, erklärt  Wolfram Geier, zuständig  für Notfallvorsorge beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Sogar ein Blackout in einzelnen Regionen Deutschlands könne jederzeit auftreten. Die Landesregierung in Kiel reagiert nun auf die Warnung. Unter Federführung des Innenministeriums soll noch in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe aktiv  werden. „Alle Ministerien müssen  ihr Szenario auf den Tisch legen, wie sie sich gegen den Ernstfall wappnen wollen“, erläutert Ministeriumssprecher Thomas Giebeler. Beteiligt seien das Sozialressort wegen der Notstromversorgung der Kliniken, das Wirtschafts- und  Verkehrsministerium, das Energiewendeministerium und das Justizministerium, Letzteres wegen der Sicherheit in den Gefängnissen.    

Nötig sind solche Maßnahmen, weil die schlechte Infrastruktur, der Vorrang für Ökostrom und Wetterextreme das deutsche Stromnetz anfällig gemacht haben. Dabei galt die Versorgungssicherheit  hierzulande bisher als vorbildlich. Durchschnittlich zwölf Minuten und 41 Sekunden pro Jahr müssen Bundesbürger auf Strom verzichten – nur ein Bruchteil dessen, was in anderen Ländern üblich ist, wo die Menschen oft stundenlang im Lift fest stecken, frieren, weil die Heizung ausfällt, oder nicht kochen können.  

Doch die goldenen Zeiten höchster Versorgungssicherheit sind auch hierzulande vorbei: Acht Atommeiler wurden nach dem Gau von Fukushima stillgelegt, der Bau neuer Stromleitungen stockt und Baupläne für neue konventionelle Kraftwerke bleiben in der Schublade. Deutschlands Erzeugungskapazität sei „keinesfalls beruhigend auskömmlich, sondern bestenfalls knapp ausreichend“, räumte die Bundesnetzagentur schon vor einem Jahr ein. Seitdem wird der Ernstfall  geübt – auch in Schleswig-Holstein. Die Energieaufsicht des Landes lässt regelmäßig proben, wie im Ernstfall der Informationsfluss zwischen dem Höchstspannungsnetz-Betreiber Tennet und Energieunternehmen wie Eon-Hanse und den großen Stadtwerken läuft. „Damit die möglichst zeitnah erfahren, welche Betriebe oder Regionen dann vom Netz genommen werden müssen“, erklärt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. 

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