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Kommentar : Stromausfall – das Risiko wächst

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Planwirtschaft und der steigende Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix gefährden die Versorgungssicherheit. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 07:05 Uhr

Einmal im Jahr für zehn Minuten zwangsweise bei Kerzenlicht sitzen – das überstehen alle. Aber ein landesweiter, womöglich mehrtägiger Stromausfall, das wäre der Gau. In den Kliniken reicht der Diesel für die Notstromaggregate ganze zwei Tage. Beim Discounter würden die Lebensmittel verderben, Heizungen würden ausfallen, die Sicherheitsvorkehrungen in den Gefängnissen  und die Klospülung im Eigenheim würden außer Kraft gesetzt – kurz: Zivilisiertes Leben wird in Frage gestellt. Schleswig-Holsteiner haben bei der Schneekatastrophe erlebt, was das bedeutet. Weil auch die wirtschaftlichen Folgen von  Stromausfällen enorm sind, muss die Bundesregierung mit einem Kraftakt dafür sorgen, dass die Energieversorgung auch in Zukunft reibungslos funktioniert. Gelingt ihr das nicht und der Bürger sitzt öfter im Dunkeln als ihm lieb ist, wird die Akzeptanz für die Energiewende  schneller  schmelzen als Eis in der Sonne. Schon jetzt kippt die Stimmung, weil die Öko-Umlage Strom zum Luxusgut macht.

Warner und Mahner hat es genug gegeben. Vor  mehr als einem Jahr hat sogar die bundeseigene Netzagentur auf das wachsende Risiko  eines großflächigen Blackouts hingewiesen. Das Problem liegt schließlich auf der Hand: Auf der einen Seite haben die Marktliberalen in der Berliner Koalition das alte Oligopol von RWE, Eon & Co. geknackt  und die Energieriesen gezwungen, ihre Stromnetze an Dritte zu verkaufen.  Im Prinzip ein guter Ansatz, der endlich für mehr Wettbewerb gesorgt hat. Auf der anderen Seite  wird  jedoch der Bereich der erneuerbaren  Energien nach dem klassischen Prinzip einer Planwirtschaft reguliert. Alle Marktmechanismen hat man außer Kraft gesetzt, indem man Wind- und Sonnenstrom in beliebiger Menge zum festen Preis  ankauft – egal ob er gebraucht wird oder nicht.

Hier kollidieren zwei Systeme, die nicht zusammen passen. Das muss mittelfristig zum Kollaps führen, weil im deregulierten Bereich niemand mehr investiert und fossile Kraftwerke baut, um bei Windstille Strom zu liefern. Katastrophenübungen und Arbeitskreis-Gründungen sind nur der hilflose Versuch, angesichts der brisanten Lage Aktivität zu demonstrieren. Nötig ist spätestens nach der Bundestagswahl eine echte Wende in der Energiepolitik.

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