Bad Schwartau contra Lübeck : Streit um Ikea-Ansiedlung geht weiter

Wie viel Konkurrenz verträgt der Einzelhandel in den Innenstädten? Auch nach dem Ikea-Kompromiss droht Lübecks Nachbargemeinde Bad Schwartau mit Klage.

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14. März 2011, 09:30 Uhr

Die Stadt Lübeck und der Möbelriese Ikea sind zufrieden mit dem Kompromiss für das Ikea-Einkaufszentrum in der Hansestadt. Die Nachbargemeinde Bad Schwartau ist es weniger und erwägt eine Klage gegen das Vorhaben. Die Ablehnung beziehe sich nicht auf das Ikea-Möbelhaus, sondern auf das geplante skandinavische Einkaufszentrum, das den Schwartauer Einzelhandel gefährde, sagt Bad Schwartaus Bürgermeister Gerd Schuberth (CDU). Wenn sich Lübeck im Bebauungsplanverfahren nicht bewege, sei eine Klage programmiert.
Die Schwartauer Einzelhändler und die Kommune befürchten, dass das neue Zentrum Kunden abziehen wird. "Das können wir nicht hinnehmen, Lübeck muss bei seinen Planungen die Interessen des Umlandes stärker berücksichtigen. Jetzt erwarten wir, dass Lübeck auf uns zukommt", sagt Schuberth. Die 20.000 Einwohner-Stadt Bad Schwartau - bekannt vor allem durch den Konfitürehersteller Schwartauer Werke - liegt im Kreis Ostholstein, grenzt aber unmittelbar nordwestlich an die Hansestadt (rund 210.000 Einwohner).
Bad Schwartau droht
Nur rund vier Kilometer von Bad Schwartau entfernt, im Lübecker Stadtteil Dänischburg, will Ikea sein neues Einrichtungshaus, einen Bau- und Gartenmarkt und ein skandinavisches Einkaufszentrum mit insgesamt 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten. Rund 120 Millionen Euro will das Unternehmen investieren und 400 Arbeitsplätze schaffen. Weil die Landesplanung zunächst gefordert hatte, die Verkaufsfläche um 2300 Quadratmeter zu verkleinern, drohte Ikea mit Rückzug. Vor rund zwei Wochen einigten sich die Hansestadt Lübeck, das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein und das Unternehmen schließlich darauf, dass Ikea sein Vorhaben mit geringen Abstrichen wie geplant verwirklichen darf.
Der Lübecker Verwaltung wird allerdings empfohlen, im Bebauungsplanverfahren zu prüfen, ob die Verkaufsfläche für bestimmte Artikelgruppen im Interesse der eigenen und der benachbarten Innenstädte um weitere 4200 Quadratmeter reduziert werden kann. Darauf pochen die Stadt Bad Schwartau und auch die Lübecker Innenstadt-Händler, die ebenso um ihre Umsätze fürchten. Das Ikea-Zentrum und auch das geplante Designer Outlet Center in Neumünster werde die Einzelhandelslandschaft in Schleswig-Holstein gravierend verändern, prophezeit die Bezirksgeschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Nord, Regina Schroeder. "Es ist bezeichnend, dass bei dem Gespräch in Kiel die Umlandgemeinden nicht mit am Tisch saßen", sagt sie.
Auch wenn der Chef der Lübecker Wirtschaftsförderung, Dirk Gerdes, versichert, Lübeck werde im Bebauungsplanverfahren auf alle Betroffenen zugehen, rechnet sich der Schwartauer Bürgermeister bei einer Klage gute Chancen aus. "Lübeck muss auf uns zukommen. Wenn unsere Interessen nicht berücksichtigt werden, gehen wir vor Gericht", sagt er.
Könnte DOC-Streit Vorbild werden?
Die Vorwürfe aus Bad Schwartau erinnern an den mittlerwile gerichtlich beendeten Dauer-Streit zwischen Rendsburg und Neumünster. Rendsburg hatte versucht, sich juristisch gegen ein geplantes Designer-Outlet-Center (DOC) im Neumünsteraner Randbezirk zu wehren - und scheiterte. Das Gericht sprach Neumüster das Recht zu, das Outlet-Center zu bauen.
Auch Rendsburgs Bürgermeister Breitner fürchtete, dass ein Einkaufs-Center die Besucher aus der Innenstadt ziehen würde. Seinem Vorstoß gegen das DOC hatten sich mehrere Städte angeschlossen.
(dpa, shz)

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