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IG Metall : Streit um Einsatz von Werkverträgen

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Die Gewerkschaft IG Metall warnt vor einer Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Die Arbeitgeberverbände in Schleswig-Holstein und Hamburg bestreiten, dass die Zahl der Werkverträge zunimmt.

Kiel | Leiharbeit, Werkverträge, Lohndumping und befristete Verträge – vor allem für junge Arbeitnehmer im Norden haben sich die Bedingungen laut IG Metall Küste zuletzt sehr verschlechtert. „Insgesamt müssen wir feststellen, dass die prekäre Arbeit zugenommen hat“, sagt Bezirksleiter Meinhard Geiken im Gespräch mit dem sh:z. Einer Befragung unter Beschäftigten der Metall-Branche in Schleswig-Holstein zufolge hat ein Viertel kein ausreichendes Einkommen und fast 30 Prozent machten sich Sorgen um ihren Job.

Von Arbeitnehmern unter 35 Jahren hat laut einer Erhebung von Infratest inzwischen ein Drittel (32 Prozent) befristete Arbeitsverhältnisse, ist Leiharbeiter oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen untergebracht. Vor vier Jahren galt dies nur für gut ein Viertel der jungen Beschäftigten. Obendrein müssen sie dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge auch immer häufiger ihren Job wechseln. Daneben beobachtet die Gewerkschaft den verstärkten Einsatz von Werkverträgen. Eigentlich sollen Unternehmen über solche Verträge Leistungen von spezialisierten Fremdfirmen einkaufen können – eine Werft beispielsweise die Innenausstattung für ein Schiff. Doch die IG Metall Küste vermutet hinter manchen dieser Verträge den Versuch, Lohndumping zu betreiben und Teile der Stammbelegschaft durch formal unabhängige Arbeiter mit Werksverträgen zu ersetzen. „Seitdem wir Leiharbeit stärker reguliert haben, nimmt die Zahl der Werkverträge zu“, sagt Geiken. Wie oft das Konstrukt der Werkverträge aber missbraucht wird, ist unklar. Die Gewerkschaft versuche derzeit noch, das ganze Ausmaß zu erfassen. Längst seien Geiken zufolge jedoch nicht mehr nur ungelernte Arbeiter betroffen, sondern immer häufiger auch Facharbeiter und Ingenieure.

Die Arbeitgeberverbände im Norden bestreiten diese Entwicklung. „Es gibt keine Zahlen über eine Zunahme von Werkverträgen“, sagt Nordmetall-Sprecher Peter Haas. Ohnehin gebe es Werkverträge, „seit es das bürgerliche Gesetzbuch gibt“. Jeder Verbraucher, der einen Handwerker beauftrage, schließe einen Werkvertrag. Und Haas versichert: „Unternehmen, die dieses Instrument missbrauchen, werden von uns geahndet.“

Auch der Unternehmensverband Nord (UVNord) sieht keine Zunahme der Werkverträge. UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich warnt stattdessen vor „neuen gesetzlichen Regelungen“. Sie seien „aus heutiger Sicht überflüssig, ja kontraproduktiv, denn sie gefährden auch in Schleswig-Holstein Spezialisierung und Aufgabenteilung und damit die Basis für industrielle Produktion“.

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erstellt am 23.Feb.2014 | 17:15 Uhr

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